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Pfaffenhütchen-Gespinstmotte

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Die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte ist ein sehr kleiner Falter, der eine Spannweite von 18 – 24 mm hat. Der Schmetterling ist in ganz Europa weit verbreitet – und tritt überall dort auf, wo es kalkhaltige Böden gibt – und wo Pfaffenhütchen wachsen. Auch bei uns im Kraichtal sind seine Larven (Raupen) derzeit zu sehen. Die erwachsenen Falter fliegen nämlich erst ab Juli bis August. Die Eier werden von den Faltern in Gruppen von 50 bis 100 Eiern auf der Rinde des Pfaffenhütchens abgelegt. Dort überwintern sie. Im nächsten Mai beginnen die Raupen, Teile des Strauches mit Gespinst zu überziehen.  Dabei kann der gesamte Strauch eingesponnen werden. Dann fressen die Raupen die Blätter und benagen die Rinde. So kommt es oft dazu, dass der ganze Busch oder Strauch entblättert wird.  Dies können die Pfaffenhütchen aber mit dem Sommertrieb wieder ausgleichen. Im Juli verpuppen sich die Raupen dann in einem dichten, weißen Sammelkokon. 10 bis 20 Tage später schlüpfen dann die voll entwickelten Falter.

Oft wird der gesamte Strauch eingesponnen. Die vielen Raupen werden das Pfaffenhütchen wahrscheinlich kahl fressen.

Die Raupen sind an den seitlichen schwarzen Punkten gut zu erkennen.

Hier kann man noch die Blüten des Pfaffenhütchens erkennen. Die Blattverluste kann der Strauch mit dem Sommertrieb („Johannis-Trieb“) wieder weitgehend ersetzen.

Hier kann man noch ein eingesponnenes Tier sehen (vielleicht die Schwarze Bohnenlaus?)

Hier sieht man eine Raupe, die gerade einen Blattstiel zerlegt. Die schwarzen Kügelchen sind Kotballen der Raupen. Eine Bekämpfung der Raupen ist nicht notwendig, weil der Fraßverlust wieder ausgeglichen werden kann. Aber auch die Raupen leben gefährlich. Zwar sind sie vor Vogel-Angriffen in ihrem Gespinst relativ sicher, doch werden sie von verschiedenen Arten der Raupenfliegen parasitiert. Diese legen die Eier entweder auf die Raupen oder in deren Nähe. Nach dem Schlüpfen bohren sie sich in die Raupe und fressen diese von innen her auf. Dann verpuppen sie sich und schlüpfen als voll entwickelte Raupenfliege aus der befallenen Raupe.

Holzbiene

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Die Blaue Holzbiene ist die größte Bienenart bei uns in Deutschland. Sie ist wärmeliebend und ist von Mitte April bis in den August hinein bei uns im Kraichtal zu beobachten. Ihren Namen verdankt sie der Tatsache, dass sie ihre Eier in in Holz legt. Dabei fertigt sie die dafür notwendigen Gänge selbst an. Vor allem in Totholz oder markhaltigem Holz sind diese Gänge zu sehen. Die Biene selbst ist schon wegen ihrer Größe von knapp 3 cm  und ihrer schwarzen Färbung nicht mit anderen heimischen Bienen oder Wildbienen zu verwechseln.

Die Flügel schimmern bei entsprechendem Licht blauviolett. Da sie mit ihrem kurzen Rüssel nicht an den Nektar herankommt, beißt sie die Blütenkronröhre in Höhe der Kelchblätter an, wie man auf dem Bild sehen kann.  Dadurch wird die Blüte nicht bestäubt, weil sie an den Staubblättern vorbei den Nektar holt. Man bezeichnet diese Art der Nektar-Beschaffung als „Nektar-Raub“. Zum Größenvergleich bieten sich  2 Ameisen an, die ebenfalls auf dem Ziest nach Nahrung suchen (siehe nächstes Bild).  Überwiegend werden Schmetterlingsblütler oder Lippenblütler als Nahrungspflanzen genutzt. Bei größeren Blüten, die der Holzbiene „Zutritt gewähren“, findet der Blütenbesuch auf herkömmliche Weise  – also ohne „Nektar-Raub“ statt.

Da die Holzbiene wegen ihres kurzen Rüssels auch nicht an den Nektar herankommt, beißt sie auch hier die Blütenkronröhre am Grund an und erreicht so den Nektar.

Je nach Lichteinfall erscheinen die Flügel blauviolett oder braun.

 

Achtung! „Löwengrube“: Der Ameisenlöwe

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Der Ameisenlöwe ist hervorragend auf trockene Sandböden spezialisiert. Deswegen findet man ihn bei uns im Kraichtal an trockenen, sandigen Stellen. Beim Ameisenlöwen handelt es sich um die Larve der Ameisenjungfer. Der Ameisenlöwe gräbt trichterartige Gruben, deren Wände aus lockeren, feinkörnigen Bodenbestandteilen bestehen – und wartet am Grunde des Trichters auf Insekten oder Insektenlarven, die bei ihren Wanderungen in die Trichter hineingeraten. An geeigneten Stellen – wie hier unter einer Brücke – zeugen zahlreiche Fangtrichter von der Anwesenheit der Ameisenlöwen.

Ein Fangtrichter: Ganz am Grund lauert der Ameisenlöwe. Sichtbar sind nur die beiden Zangen, mit denen das Opfer festgehalten wird – oder mit denen der Sand nach dem Insekt geschleudert wird. Fallen Fremdkörper hinein, werden diese ebenfalls herausgeschleudert.

Der Ameisenlöwe ist stark behaart. Wenn er sich im Trichter vergräbt, dann bleiben zum Beispiel beim Löß feinste Teilchen zwischen den Haaren hängen und verstärken somit die Tarnung. Wie alle Insekten, besitzt auch die Larve des Ameisenlöwen drei Beinpaare. Besonders fällt dabei das zweite Beinpaar auf, weil es länger ist als die anderen Beinpaare. Ein besonderes Merkmal sind die großen Zangen die nach vorne gerichtet sind – und mit denen der Ameisenlöwe die Beute ergreift. Dann gibt er ein starkes Gift ab, das schon nach wenigen Sekunden zur Lähmung der Beute führt. Die gelähmte Beute wird dann teilweise in den Untergrund eingezogen. Anschließend werden Verdauungsenzyme in die Beute eingeleitet, welche das Innere vollständig auflösen. Danach wird die Beute ausgesaugt und dann die leere Hülle aus dem Trichter geworfen. Dabei kann der Ameisenlöwe seinen Kopf mit den Zangen um 180° nach hinten und jeweils 90° nach den Seiten drehen. Durch eine ruckartige Bewegung wird die Beute bis zu 30 cm weit aus dem Trichter hinausgeschleudert.

Der Trichter ist genial gebaut. Der Ameisenlöwe richtet die Steilheit der Böschung je nach Bodenmaterial genau aus. Bei Sand sind das ca. 30 Grad. So entsteht für jedes verfügbare Material die maximale Steilheit. Gerät ein Beutetier in diesen Trichter, rutscht das Material automatisch ab und nimmt das Tier mit. Falls das Tier zu fliehen versucht, wirft der Ameisenlöwe mit Sand  und sorgt so für ein weiteres Abrutschen. Beutetiere sind Insekten, Spinnen, kleine Schnecken und Asseln. Die Entwicklung zur fertigen Ameisenjungfer dauert mehrere Jahre.

Grünader-Weißling

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Der Grünader-Weißling  ist bei uns im Kraichgau recht häufig. Insgesamt gehört er zu den häufigsten Tagschmetterlingen. Unterseite und Oberseite der Flügel sind bei diesem Falter unterschiedlich gefärbt. Die Oberseite ist weißlich mit schwarzen Zeichnungen, die Unterseite ist gelbgrün und zeigt die deutlich grün beschuppten Flügeladern. An den Flügelenden sind sie grau gefärbt.

  

Bei uns  gibt es normalerweise drei Generationen des Schmetterllings – von März bis in den Oktober hinein. Die letzte Generation eines Jahres legt Eier, aus denen sich dann die Raupen und die Puppen entwickeln. Aus diesen Puppen erscheinen dann im Frühjahr die fertigen Schmetterlinge. Die Überwinterung erfolgt also als Puppe.

Grünader-Weißlinge kann man vor allem in feuchten Wäldern, Waldrändern, Hecken oder beschatteten Wiesen finden.

In  der ersten Generation sind die Falter noch kräftig gefärbt und die Erkennungsmerkmale (z.B. grüne Adern) treten dann noch deutlich sichtbar hervor. In den späteren Jahresgenerationen verblassen diese Merkmale dann häufig.

Dieser Falter – ein Männchen – befindet sich auf einer Knoblauchrauke. Dies ist auch eine mögliche Futterpflanze für die kommenden Raupen. Futterpflanzen sind bei dieser Schmetterlingsart, Schaumkraut-Arten, Senfe, Kresse-Arten und Knoblauch.

Männchen kann man an der Anzahl der schwarzen Flecken auf den Vorderflügeln erkennen. Bei den Männchen sind es je zwei pro Flügel, bei den Weibchen nur 1 Fleck pro Flügel. Der Grünader-Weißling wird auch als „Rapsweißling“ bezeichnet; dass aber der Raps bei der Ernährung der Pflanzen eine Rolle spielt, ist noch nicht geklärt. Möglicherweise leitet sich der Name auch dadurch her, dass er zeitgleich zur Rapsblüte häufig zu beobachten ist.

Dieser Schmetterling befindet sich auf einer Bärlauch-Pflanze. Deutlich zu erkennen sind die verschieden gefärbten Unter- und Oberseiten der Flügel.

Waldbrettspiel

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Das Waldbrettspiel gehört bei den Schmetterlingen zur Familie der Edelfalter. Innerhalb dieser Gruppe zählt man sie zur Gruppe der Augenfalter, weil sie auf ihren Flügeln augenförmige Muster haben. Man findet sie vor allem in Laubmischwäldern, Auwäldern und seltener in Nadelwäldern. In diesen Lebensräumen suchen sie sonnige, lichte Plätze.

  

Die männlichen Falter zeigen ein auffälliges Revierverhalten. Von einer erhöhten, oft sonnigen Sitzwarte aus kontrolliert das Männchen sein Revier. Vorbeifliegende Rivalen werden vertrieben. Danach kehrt das Männchen wieder zu seinem Aussichtspunkt  – oder in die unmittelbare Nähe davon – zurück. Die erwachsenen Falter kann man nur ganz selten auf Blüten beobachten. Vielmehr saugen sie an Pfützen oder im Spätjahr an Fallobst.

 

Auf der Flügelunterseite kann man weiß gekernte Augenflecken sehen.

Die erwachsenen Schmetterlinge fliegen in zwei Generationen. Die Frühlingsgeneration fliegt von Mitte April  bis Juni, die Sommergeneration von Juli bis September.

Auf der Oberseite der Hinterflügel befinden sich drei bis vier Augenflecke nebeneinander

Waldbrettspiele sind die einzigen Tagfalter, die man auch in geschlossenen Wäldern beobachten kann, wenn es dort zumindest kleine Lichtungen gibt.

Maikäfer

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Maikäfer sind im Kraichtal in diesem Jahr wieder einmal zu sehen. Es gibt mehrere Arten von Maikäfern. Bei uns ist der Feld-Maikäfer die häufigste Art. Wenn die Tiere ihre Larvenentwicklung abgeschlossen haben, kommen sie im April und Mai aus dem Boden. Im Mai und im Juni fliegen sie und paaren sich und fressen Blätter von den Laubbäumen. Nach ihrem Erscheinen leben sie etwa bis zu 7 Wochen. Wenn sie sich gepaart haben, stirbt das Männchen; das Weibchen stirbt nach der Eiablage.

Männchen und Weibchen kann man an den Fühlern unterscheiden. Die Fühler des Männchens sind recht groß, beim Weibchen sind sie klein.  Bei dem abgebildeten Käfer handelt es sich um ein Weibchen.

 

Das Maikäfer-Weibchen hat sich auf einem Zwetschgenbaum niedergelassen, wo es sofort mit dem Verzehr der Blätter beginnt.

Hier kann man deutlich die einzelnen „Blättchen“ der Fühler erkennen.

Ob und wie man Maikäfer bekämpfen sollte, ist derzeit heftig umstritten.

Bei der Eiablage werden bis zu 100 Eier in den Boden gebracht. Bevorzugt werden feuchte, humusreiche Böden. Die Engerlinge der Maikäfer gelten als Forstschädlinge, weil sie die Wurzeln der Laubbäume fressen und so großen Schaden anrichten können. Die Larvenentwicklung der Maikäfer vom Engerling bis zum fertig entwickelten Käfer dauert 3 bis 5 Jahre. In manchen Jahren kommt es zum Massenaufkommen der entwickelten Käfer. Diese „Maikäfer-Jahre“ laufen regional unterschiedlich ab.

Für Kinder kann es zu einem beeindruckenden Erlebnis werden, wenn sie die fliegenden und brummenden Käfer „live“ erleben dürfen. In früheren Jahrzehnten wurden die Maikäfer von Kindern nach ihrem Aussehen sortiert. Auch einige Literaturvorlagen belegen die enge Verbindung von Kindern mit den Maikäfern („Peterchens Mondfahrt“).

Aurorafalter

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Aurorafalter sind im Kraichtal von Ende März bis Ende Mai zu beobachten. Nur die Männchen haben orange Bereiche auf den Flügeln. Beim Weibchen fehlt die organge Färbung der Flügel. Weibchen kann man daher durch ihre Unterseite bestimmen, wo sie das gleiche Fleckenmuster aufweisen wie die Männchen.  Wegen der fehlenden orange Färbung werden Weibchen oft mit anderen Weißlingen verwechselt.

Bei den Männchen kann man die orange Färbung auch durch die Rückseite der Flügel erkennen.

In der Mitte der Flügel befindet sich ein schwarzer Punkt. Dies ist auch bei den Weibchen der Fall.

Als Raupe ernährt er sich vom Wiesenschaumkraut oder der Knoblauchrauke. Aber auch als erwachsener Falter sucht er bevorzugt diese Pflanzen auf.

Das Männchen nähert sich dem Weibchen. Dieses zeigt sich paarungsbereit und hebt den Hinterleib an.

Wenige Augenblicke später fliegen beide auf und verschwinden.

Wollschweber

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Die Wollschweber gehören innerhalb der Insekten zu den Zweiflüglern. Weltweit gibt es ca. 6000, in Deutschland sind es ungefähr 30 Arten. Die ersten von ihnen kann man schon im Frühjahr beobachten, die meisten anderen zeigen sich erst im Sommer. Oft fallen sie kaum auf. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man in der Nähe von Blütenpflanzen kleine „Flieger“, die auf der Stelle schweben, also den „Standflug“ beherrschen. Dann ändern sie plötzlich ruckartig die Position und verbleiben auch dort wieder auf einer Stelle. Ähnlich, wie man es bei den Schwebfliegen beobachten kann. Und dann wird es schwer, sie im Auge zu behalten. Auffällig ist aber der lange Rüssel, mit dem sie aus den Blüten Nektar saugen. Bei manchen Arten ist der Rüssel so lang wie der gesamte Körper. Weil sie so ähnlich wie Hummeln aussehen, bezeichnet man sie auch als „Hummelfliegen“. Die Wollschweber ernähren sich als erwachsene Insekten von Blütenpflanzen, wo sie  Nektar holen.

Während des Fluges sind die vorderen Beinpaare angelegt; das hintere Beinpaar ist nach hinten oben gestreckt.

Der „Große Wollschweber“. Deutlich ist der lange Rüssel zu sehen, mit dem sie Nektar saugen. Oft findet man sie beim Gundermann oder der Knoblauchrauke.

Der „Große Wollschweber“ an einer Knoblauchrauke.

Eine verwandte Art: Der „Gefleckte Wollschweber“ am Boden. Man kann ihn an den gefleckten Flügeln erkennen.

Die Fortpflanzung dieser Insekten bietet einiges an Überraschungen. Die Larven der Wollschweber leben parasitisch von anderen Insekten und deren Larven. Schon bei der Eiablage kommt es bei manchen Arten zu einem besonderen Verhalten. Sie schießen die Eier aus dem Flug direkt in die Bauten der Wirtstiere, sie legen die Eier neben den zukünftigen Wirt  ab – oder sie dringen in die Bauten ein (z.B. bei Wildbienen), fressen die Nahrungsvorräte und später auch die eigentlichen Larven. Manche Arten sammeln mit dem Hinterleib vor der Eiablage Sand, mit dem sie dann die Eier verkleben. So sind die Eier besser vor Fraßfeinden geschützt – oder vor der Sonne auf Sandflächen. Während ihrer Entwicklung machen die Wollschweber mehrere Larvenstadien durch, die oft sehr unterschiedlich aussehen können. Die Überwinterung geschieht meist im Bau der Endwirte – oder an anderen geschützten Stellen.

 

Hilfe für Schmetterlinge

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Auch bei uns im Kraichtal haben viele Schmetterlingsarten große Probleme. Das hat viele Gründe. Ein wichtiger Grund, der oft übersehen wird, ist meiner Meinung nach fehlendes Wissen über unsere Schmetterlinge – und die Lebensbedingungen, die sie unbedingt brauchen. So ist es zum Problem geworden, dass viele Schmetterlingsarten während ihrer Raupenentwicklung bestimmte Futterpflanzen brauchen.  Zum Beispiel benötigen einige unserer einheimischen Arten während ihrer Larvenentwicklung unbedingt Brennnesseln als Futterpflanze. Und genau hier liegt das Problem. Bei uns wurde die Brennnessel seit vielen Jahrhunderten geschätzt und genutzt (als Nahrungspflanze, Faserpflanze zur Textilverarbeitung, Heilpflanze, usw.). Heute ist sie aber im Bewußtsein vieler Menschen zu einem „Unkraut“ geworden, das im heimischen Garten oder am Wegrand nichts mehr zu suchen hat. Deswegen werden sie, wenn die Pflanzen eine bestimmte Größe erreicht haben, rigoros gemäht. Und genau das bedeutet für die Raupen auf den Brennnesseln das Ende. Denn die Raupenentwicklung dieser Schmetterlinge dauert mehrere Wochen. Und dann durchlaufen sie nochmal eine lange Entwicklungszeit als Puppe, wo sie ebenfalls einen sicheren Platz brauchen. Dies gilt auch für andere Schmetterlingsarten, die andere Futterpflanzen benötigen.

Und es sind bekannte Schmetterlingsarten, welche auf die Brennnesseln angewiesen sind: Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral, aber auch das Landkärtchen. Und für diese Arten kann jeder etwas tun, wenn er ein paar Stellen im eigenen Garten schmetterlingstauglich macht – und auch ein paar Brennnesseln und andere „Unkräuter“ stehen lässt. Wenn dann noch Stauden oder geeignete blühende Sträucher gepflanzt werden, entsteht für viele Schmetterlinge ein toller Lebensraum!

Admiral

Tagpfauenauge

Kleiner Fuchs

Landkärtchen (1. Generation im Frühjahr)

Landkärtchen (2. Generation im Sommer)

Zum Glück gibt es Menschen, welche den Schmetterlingen mit einem eigenen Beitrag helfen. Dafür gibt es die verschiedensten Ansätze. Weil es so etwas auch in Kraichtal gibt, möchte ich in diesem Beitrag über das spezielle „Schmetterlings-Projekt“ von Claudia  und Peter Leicht aus Kraichtal berichten.

Landkärtchen-Raupen in einem Brennnesselbestand. Die Raupen verstecken sich unter den Brennnesselblättern und fressen diese von der Unterseite her auf.

Wenn die Blätter aufgefressen sind, wird das nächste Blatt oder die nächste Pflanze aufgesucht. Da die Raupen auf der Unterseite der Blätter fressen, bietet das einen gewissen Sichtschutz vor Fressfeinden aus der Luft. Dies gilt allerdings nicht mehr, wenn zum Beispiel Vögel ein Versteck entdeckt haben.

Claudia und Peter Leicht suchen auf Brennnesselbeständen nach Schmetterlingsraupen, versehen diese Bestände mit Hinweis-Schildern, auf denen gebeten wird, auf das Mähen zu verzichten, und zum anderen siedeln sie, wenn dies nötig ist,  Raupen aus gefährdeten Bereichen in sichere Biotope um – oder bringen sie, wenn sich keine geeigneten Stellen mehr finden, nach Hause, wo sie in speziellen Schmetterlingskästen die Raupen- und Puppenentwicklung durchlaufen – und im nächsten Frühjahr dann als „fertige Schmetterlinge“ in die Natur entlassen werden können. Dies gilt auch für die Raupen anderer Schmetterlingsarten, die sie auf gefährdeten Beständen von Futterpflanzen finden. Ziel dieses tollen Projektes ist es also, die im Herbst gefundenen Raupen sicher über den Winter zu bringen, damit sie im Frühjahr als fertig entwickelte Schmetterlinge für neuen Nachwuchs sorgen können.

Das bedeutet aber – neben vielen Gängen in die Natur – dass die Schmetterlinge in den Kästen auch täglich mit frischen Brennnesseln versorgt werden müssen, bis sie sich dann verpuppt haben. Und das dauert mehrere Wochen oder sogar Monate. Während dieser Zeit müssen jede Menge frischer Brennnesseln gesammelt werden, um die Raupen am Leben zu erhalten.

In diesen Schmetterlingskästen können die Raupen dann bis zur abgeschlossenen Larvenentwicklung bleiben, bevor sie im folgenden Frühjahr ausfliegen können. Wie erfolgreich die Beiden im vergangenen Jahr waren, zeigt ein Blick in die Schmetterlingskästen, in denen die Raupen des „Landkärtchens“ sich satt fressen und verpuppen konnten – und wo die ersten von ihnen schon ausgeflogen sind. ….Übrigens:  Bevor die ersten Exemplare ausgeflogen sind, war der Deckel der Kästen randvoll mit Landkärtchen-Puppen besetzt.

An der Decke des Schmetterlingskastens sind zahlreiche Puppen des Landkärtchens zu sehen. Einige sind schon ausgeflogen, die nächsten werden das in den kommenden Tagen tun.

Eine Raupe hat sich am Stängel der Brennnessel verpuppt.

Diese beiden Landkärtchen-Falter werden gleich losfliegen …

Aber auch hier wird gleich jemand starten …

Meiner Schätzung nach sind auf diese Weise im letzten Spätsommer und Herbst mehrere Hundert Schmetterlinge geretten worden, die jetzt für neuen Nachwuchs sorgen können. Was Claudia und Peter Leicht hier erreicht haben, ist beeindruckend und vorbildlich. Ich werde sie im Laufe des Jahres bei ihren Aktionen begleiten und ihre Tätigkeit in einem weiteren Beitrag im Sommer näher beschreiben.

Hilfe für Schmetterlinge ist aber jedem möglich, wenn jeder von uns in seinem Bereich die Lebensmöglichkeiten für diese Tiere schafft. Ein paar Brennnesseln, einige Stauden oder blühende Sträucher können solche Möglichkeiten schaffen. Oder es reicht manchmal schon aus, wenn man im Garten etwas mehr „ungeplante Natur“ zulässt. Wenn jeder, der sich über fehlende Schmetterlinge und ausbleibende Gartenvögel beklagt, in seinem eigenen Bereich etwas dafür tut, lässt sich dieses Problem sicher deutlich verringern.

Die abgebildeten Landkärtchen gehören zur Frühlings-Generation. Über die interessante und spannende Entwicklung der Landkärtchen-Falter – die im Frühjahr und im Sommer unterschiedlich aussehende Schmetterlinge hervorbringt, wird in einem eigenen Beitrag berichtet werden, wenn die Sommergeneration fliegt.

Hornissen

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Innerhalb der Insekten gehören die Hornissen zur Gruppe der Hautflügler und zur Familie der Faltenwespen. Sie sind mit einer Körperlänge von bis zu knapp 4 cm die größte Wespenart bei uns. Obwohl sie laut brummen und wegen ihrer Größe recht gefährlich aussehen, sind Hornissen absolut friedlich. Im Gegenteil: Hornissen sind scheu und beachten uns Menschen eigentlich gar nicht. Leider existieren, was Hornissen betrifft, viele Mythen. Tatsächlich sind Stiche von Hornissen nicht gefährlicher als die von Bienen oder Wespen. Nur wer gegen das Gift allergisch ist, kann – wie bei Bienen- oder Wespenstichen auch – Probleme bekommen.

Dabei ist aber zu beachten: Das Risiko, von einer Hornisse gestochen zu werden ist viel geringer als von einer anderen Wespenart oder von einer Honigbiene. Denn normalerweise bleiben Kontakte mit uns Menschen aus. Hornissen interessieren sich weder für uns Menschen,  noch für süße Getränke noch für den Obstkuchen, der im Garten gegessen werden soll. Im Gegenteil: wenn Hornissen ab und zu an den Kaffeetisch kommen, dann nur, um die dort fressenden Wespen zu erbeuten. Wer Hornissen auf seinem Grundstück hat, wird dadurch auch oft von der „Wespenplage“ befreit. Hornissen sind sehr nützlich: Denn ein Hornissenvolk vertilgt pro Tag ca. 1/2 kg Insekten. Welche Menge das pro Jahr und Volk ergibt, lässt sich leicht errechnen. Je nach Witterung und Entwicklung des Volkes sind die Hornissen von Anfang Juni bis Mitte Oktober auf massiver Insektenjagd. Und der Mythos, dass die Hornissen, wenn sie im Haus Nester bauen, die Dachbalken oder die Deckenvertäfelung fressen, ist falsch. Hornissen stellen ihr Nest ausschließlich aus morschem Holz her – und vergreifen sich weder an Dachlatten oder Paneelen.

Folgende Tipps zeigen auf, wie man Konflikte mit Hornissen vermeiden kann: In Nestnähe (ca. 2 m – 6 m) sollte man jede mögliche Störung wie heftige Erschütterungen, schnelle Bewegungen oder das Versperren der Flugbahn am Nest grundsätzlich unterlassen. Außerdem: Bei Begegnungen mit Hornissen keine panischen Abwehr-Reaktionen zeigen!  Dies betrachten die Hornissen nämlich als Angriffssignal! Statt dessen ruhig bleiben! Menschen gehören nicht ins Beuteschema der Hornissen!  Wer aber selbst Hand anlegt und direkt gegen das Nest vorgeht, braucht sich nicht zu wundern, wenn die Hornissen dann zum Angriff übergehen.

Hinweis: Hornissen sind streng geschützt! Die einheimische Hornisse zählt zu den besonders geschützten Arten. Sie darf nicht getötet, und ihr Nest darf nicht zerstört werden. Die Beseitigung eines Nestes ist nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörden möglich. Wer eigenständig dagegen vorgeht, macht sich dadurch strafbar.

Trotzdem kann es Konflikte mit Hornissen geben. Da in vielen Orten und Fluren alte Bäume mit Nistgelegenheiten selten geworden sind, weichen Hornissen dann auf geeignete Nistmöglichkeiten in und an unseren Gebäuden (z.B. Rolladenästen) aus. In diesen Fällen kann eine dafür ausgebildete und beauftragte Fachkraft Abhilfe schaffen. Auskünfte darüber erteilt das Umwelt- oder Ordnungsamt jeder Gemeinde.

Hier haben Hornissen in einem Kirschbaum auf einer Streuobstwiese ihr Nest gebaut.

Der Platz im Baum reicht nicht mehr aus; deswegen legen die Arbeiterinnen einen „Erweiterungsbau“ außerhalb der Baumhöhle an. Ihr Nest bauen sie aus zerkautem, morschen Holz auf.  Wächter-Hornissen überprüfen die einfliegenden Hornissen, die mit Beute zum Nest zurückkehren.

Bei hohen Außentemperaturen fungieren die abgebildeten Hornissen als „Ventilatoren“. Mit heftigen Flügelbewegungen regulieren sie die Nesttemperatur. Auch das von Arbeiterinnen eingetragene Wasser dient zur Temperaturregulation.

Mit dem ersten Frost Ende Oktober/Anfang November sterben die Arbeiterinnen ab; die jungen Königinnen, die inzwischen das Nest verlassen haben – und sich mit den Drohnen verpaart haben,  überwintern an einer geschützten Stelle und gründen, wenn sie den Winter überstanden haben,  im Folgejahr einen neuen Staat.