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Das Kraichtal im Mai

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Eigentlich eilt dem Mai der Ruf eines sonnigen, warmen und „farbigen“ Monats voraus. Doch in diesem Jahr ist manches anders. Es ist bisher recht kühl – und die Nächte sind immer noch kalt. Doch im Gegensatz zu den letzten beiden Jahren hat es im Mai bei uns schon mehrfach geregnet. Und das Wasser wurde auch dringend benötigt. Obwohl es so kühl ist, hat der Regen in diesem Jahr die Farben auf die Wiesen und Felder gebracht. Überall blüht es- und auch im Gegensatz zu den letzten Jahren brummen wieder Bienen und Hummeln über die Fluren.  Erste Schmetterlinge lassen sich in den blühenden Wiesen finden. Und im Gegensatz zu anderen Gegenden kann man im Kraichtal in diesen Tagen hoch in der Luft wieder den „Sound des Frühlings und Sommers“,  den Gesang der Lerchen hören.Noch beherrscht das Gelb des Löwenzahns viele Wiesen  und Weiden:  Hier wartet schon alles auf den Wind. Tausende „Flieger“ stehen bereit.Aber auch die anderen Farben sind wieder da: Rot, Blau und saftiges Grün gibt hier den Ton an.Und jetzt ist er da: Ein kühler Wind streicht über die Felder und Wiesen. Auch die zarten Karthäuser-Nelken biegen sich im Wind Karthäuser-Nelken: Seltene und wunderschöne rote Blütensterne im Kraichtal Doch auch die Futter-Esparsette kann da mit ihrem vornehm gestreiften Muster mithalten … Der Wiesensalbei bringt Blau ins Grün. Toll, dass es solche Wiesen und Weiden mit dieser Blütenpracht noch gibt. Wo sonst sollen Schmetterlinge, Honigbienen, Wildbienen und andere Insekten ihre Nahrung finden?

„Bodenschätze“ des Kraichtals: Lösskindel

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Im gesamten Kraichgau – und damit auch im Kraichtal findet man sehr fruchtbare Böden vor. Denn diese bestehen aus Löss. Der Löss im Kraichtal wurde in den Eiszeiten abgelagert, als der tiefgefrorene Schlamm des Rheins von heftigen Winden als Staub in den Kraichgau verblasen wurde. Dort lagerte er sich in meterhohen Schichten als Sediment ab. Der Regen wusch mit der Zeit die kalkhaltigen Bestandteile aus den oberen Schichten des Bodens aus. Der gelöste Kalkanteil sickerte dann mit dem Wasser in tiefere Lössschichten. Dort verdunstete dann das Wasser und hinterließ Gesteinsknollen, die teilweise fremdartig oder lustig aussehende Kalkzapfen oder Knollen bildeten. Zum Wachsen der Lösskindel werden organische Materialien (wie Wurzeln oder Zweige) oder auch kleine Steinchen (oder kleine Schneckenhäuser)  benötigt. Der Wachstumsprozess dauert sehr lange. Da einige dieser Knollen und Zapfen puppenartige, menschen- oder tierähnliche Formen ausbildeten, bezeichnet man sie auch als „Lösskindel“. Die Lösskindel im Kraichtal sind oft sehr groß (im mittleren Dezimeterbereich) und sind dann auch recht schwer.Auch im Kraichtal gibt es meterhohe Löss-Ablagerungen. Und natürlich gibt es im Kraichtal auch Lösskindel.  Wenn man weiß, wo man suchen muss, dann findet man sie auch. Hier eine (ganz) kleine Auswahl von „örtlichen“ Lösskindeln.  Ein Tipp: Im Frühjahr lohnt es sich besonders!Übrigens: Jedes Lösskindel ist ein Unikat! Wie bei der „realen Kunst“ auch bleibt es auch hier vom Betrachter abhängig, was er in den Figuren sehen will …. Was man in diesen Formen sehen will, bleibt jedem selbst überlassen: Zwei sich umarmende Kinder mit Kuscheltieren im Arm? – Oder doch zwei Boxer ? Ein „Königspudel“, frisch vom Hundefrisör. Mit dem rechten Auge schaut er ziemlich gelangweilt ….Ein Herz aus Stein … oder doch etwas anderes? Wer oder was es auch immer ist:  Sie haben sich gefunden – und sind jetzt EINS … Im Rumpf der Figur sieht man ein kleines Schneckenhaus, um welches herum sich das „Lösskindel“ gebildet hat. Wahrscheinlich befinden sich im Inneren der Figur mehrere solche Schneckenhäuser …Bloß ein Kalkbrocken? – Oder doch der Kopf eines Bären?Jedenfalls kann es spannend sein, sich einmal selbst auf die Suche nach solchen Lösskindeln zu begeben – und dann herauszufinden, was Sie in diesen Fundstücken für sich entdecken können. Halten Sie also die Augen offen, wenn Sie  wieder mal im Kraichtal unterwegs sind ……

 

Es ist wieder Winter im Kraichtal

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Auch in diesem Jahr ist der Winter wieder einmal mit etwas Schnee bei uns zu Gast.  Schon hat es  einige „Schneetage“ gegeben. Doch wie lange diese „weiße Pracht“ zu sehen sein wird, ist ungewiß.  Deswegen lohnt es sich, an solchen Tagen die „winterlichen Momente“ in der Landschaft des Kraichtals einzufangen …

Die zahlreichen Hecken bieten immer noch viele Früchte für die Vögel und andere Kleintiere an.Auch in diesem Jahr sind viele Äpfel auf den Böden der Streuobstwiesen zu finden. Das ist ein tolles Futterangebot für viele Tierarten.Zahlreiche Wacholderdrosseln holen  sich ihren Anteil am Fallobst ….Saatkrähen bedienen sich am immer noch reichhaltigen Angebot an Walnüssen …Vereinzelt sind auch noch Pferde auf ihrer Weide zu sehen.und auch die Rehe finden sich auf den Zwischenfrucht-Feldern ein, wo sie Nahrung geeignete Ruheplätze finden können. Im Winter bilden die Rehe eines Gebietes größere Gesellschaften. Mit Beginn der Fortpflanzungszeit zerfallen diese Gesellschaften dann aber.So haben sich hier mehrere Rehe auf ihrem Lagerplatz zur Ruhe gelegt. Diese Lagerplätze liegen erhöht an Hängen und werden oft aufgesucht. Von dort aus können die Rehe schon von weitem mögliche Gefahren  hören, sehen und riechen –  und sich dann in den Feldhecken oder nahen Gehölzen in Sicherheit bringen.Und kaum hat der Schneefall nachgelassen, zeigen sich schon bald wieder die ersten grünen Flecken in der Landschaft.Im Winter wird die Einzigartigkeit jedes Baums in einer Streuobstwiese deutlich: Alle unterscheiden sich – vom Menschen so gemacht.Selbst die schon vertrocknet aussehenden Blütenstände der Sonnenblumen in einem Zwischenfrucht-Feld  enthalten noch genügend Samen – und bieten gemeinsam mit den anderen Pflanzen des Feldes darüber hinaus für viele Kleintiere vielfältige Nahrung und Schutz. Ein Beispiel für früchtetragende Heckensträucher der Kraichgauhecken im Winter: Auch die Früchte des Weißdorns stehen noch als Nahrung bereit.

Wenn Bäume „Gesichter machen“ …

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Bäume haben im Verständnis vieler Menschen von jeher etwas Mystisches. Tatsächlich gibt es viele Märchen, Sagen – und andere  literarische Vorlagen,  in denen Bäume als zauberhafte Wesen oder als Sitz von Gottheiten und Geistern eine wichtige Rolle spielen. So verehren viele Naturreligionen Bäume als Sitz der Götter. Sie spenden uns Schatten, liefern Früchte – aber vor allen Dingen: Sie werden alt, viel älter als wir. Wenn nun ältere oder alte Bäume aufgrund von Verletzungen, Krankheiten oder Wachstumserscheinungen dann auch noch körperähnliche Strukturen ausbilden, die uns an Menschen oder uns bekannten Lebewesen ähneln, dann sind  wir bereit, in diesen Gebilden Gesichter, Augen oder Körperteile zu sehen; der Baum wird zu einem lebendigen Wesen (was er ja eigentlich ohnehin schon ist) und sogar zu einer „Person“. Vielleicht liegt es aber  auch daran, dass in neuerer Zeit  Filme wie der Zyklus „Der Herr der Ringe“, wo „Ents“ als bewegliche und sprachbegabte Baumgeister für den Schutz der Natur kämpfen, uns auf eine andere Sicht der Natur um uns herum gebracht haben – und wir plötzlich Dinge entdecken, die wir zuvor übersehen haben.

Ein Walnussbaum am Wegrand hat ein „Gesicht“ ausgebildet.

Die flechtenbedeckten Augen folgen scheinbar jeder Bewegung; der „Gesichtsausdruck“ wirkt irgendwie ängstlich und vorsichtig …

Ein anderes Baumgesicht in einem anderen Walnussbaum wirkt leicht belustigt und freundlich …,

… während sein Partner, der an eine Figur aus „Star Wars“ erinnert,  wenige Zentimeter oberhalb konzentriert und aufmerksam zu sein scheint.

Und so sehen die beiden „Baumgesichter“, welche der Stamm ausgebildet hat, gemeinsam aus …

Das Wesen mit dem großen reptilienartigen „Auge“ beobachtet aufmerksam die Umgebung. Das Maul ist geschlossen, scheint aber jederzeit zum Zuschnappen bereit.

Und dieser alte Baum ist mit Flechten und Moosen überzogen. Doch – wie viele Gestalten zeigen sich hier?

….   das bleibt der Fantasie des jeweiligen Betrachters überlassen ……….

Und hier haben Schatten von Blättern und Zweigen auf einer Buche ein  etwas unheimliches „Schattengesicht gebildet, das im leichten Wind sogar ein „Mienenspiel“ zeigt. Es ist nur natürlich, wenn wir angesichts solcher Bilder anfangen zu träumen und Fantassiegestalten entwickeln.

Doch: Abgesehen von Esoterik und Fantasy: Tatsächlich haben Bäume für uns und unsere Umwelt eine enorme Bedeutung. Es wäre manchmal gut, wenn wir dies anerkennen würden – und bereit wären, Bäume einmal nicht nur als Wirtschaftsfaktor oder Nutzpflanzen zu sehen.  Vielleicht begeben Sie sich jetzt auch einmal auf die Suche nach den „Baumgesichtern“. Möglicherweise entdecken auch Sie dann auf diese Weise ihren „Lieblings-Baum“.

Novembertag im Kraichtal

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Nicht nur die Flora und Fauna im Kraichtal sind bemerkenswert; auch die Landschaft hat – wie einige Beiträge im Blog aufzeigen – einiges zu bieten. Von vielen Punkten aus kann man die Natur in dieser tollen Landschaft genießen. Es lohnt sich, innezuhalten und sich auch einmal die Zeit zu nehmen, um genauer hinzuschauen. In diesem Jahr bietet auch der November bisher – nach einem „Goldenen Oktober“  – weitere  „sonnige und spätherbstliche Momente“   im Kraichtal:

Tolle Aussichten

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Tolle Aussichten sind nicht vom Wetter abhängig, wie das Titelbild des Beitrages beweist. Hier hat sich gerade ein kurzes Sommergewitter über der Ravensburg in Sulzfeld ausgetobt. Soeben hat es die Sonne  wieder durch die Wolken geschafft. Die regennassen Straßen glänzen im Sonnenlicht. Das Foto entstand oberhalb von Bahnbrücken. Ich finde, dass dies ein spektakulärer Moment war. Allerdings wurde es dann auch in Bahnbrücken recht ungemütlich. Das Gewitter mit Starkregen war schneller da als vermutet (Entfernung Bahnbrücken-Ravensburg bei Sulzfeld ca. 5 km Luftlinie)

Das Kraichtal ist ein toller und sehenswerter Teil des Kraichgaus, umgeben von weiteren spektalulären Landschaften. Nicht ohne Grund wird der Kraichgau – und damit auch das Kraichtal – als „Land der 1000 Hügel“ oder als die „Badische Toskana“ bezeichnet. Zwischen den zahlreichen Hügeln finden sich die Dörfer – und rings um die Dörfer verlaufen noch teilweise Streuobstwiesen und breite Heckenstreifen. Blick vom Kraichtal nach Norden. Am Horizont sind an manchen Tagen die ersten Berge des Odenwaldes zu sehen.

Ein Blick nach Norden von Oberacker aus: Die Fernmelde-, Funk- und Fernsehtürme auf dem Königsstuhl bei Heidelberg

Fernmeldeturm der Telekom, Fernsehturm des SWR und ehemaliger Fernmeldeturm der US-Armee (dieser wurde 2007 stillgelegt und an das Land Baden-Württemberg zurückgegeben; heute zivile Nutzung, bestückt mit zahlreichen Antennen)

Das Kraichtal ist mit seinen Lößböden ein sehr fruchtbares Land. Wo es das Geländeprofil hergibt, wird Ackerbau und Landwirtschaft betrieben. Auf diesem Bild wird der Verlauf des Geländes besonders deutlich. Oft gibt es innerhalb eines Feldes mehrere Meter Höhenunterschied.

Der Blick nach Osten zeigt schon die ersten Erhebungen des Zabergäus. Was das Kraichtal interessant macht, sind die ständig wechselnden Horizontverläufe, die teilweise atemberaubenden Ausblicke – aber auch die Möglichkeit, sich an vielen Stellen auf bequemen Bänken auszuruhen und diese Aussichten  zu genießen.

Im Süden Kraichtals steht diese Bank, die einen tollen Blick auf das Hügelland und die ersten Ausläufer des Nordschwarzwaldes bietet. Darüber hinaus könnte sie sicher viel erzählen …

Liebe in Holz geschnitten.

Wenn im Nordschwarzwald der erste Schnee gefallen ist, kann man es von hier aus sehen …

Und nun bleibt noch der Blick nach Westen hinüber in die Rheinebene. Meist ist es dort sehr dunstig. Doch bei einigermaßen gutem Wetter reicht die Sicht schon einige Kilometer weit.

Ein Blick von einer Anhöhe oberhalb von Kraichtal in der Nähe des Flugplatzes der Gleitschirmflieger nach Westen hinüber in die Rheinebene. Vorn erkennt man die Kirche von Unteröwisheim – und am Horizont wird im Dunst ein Gebäude mit vier Türmen sichtbar …..

Rechts befindet sich die evangelische Kirche von Unteröwisheim, links der Speyerer Dom.  Datum der Aufnahme: 08.11.2018; 10:38 Uhr

Tatsächlich ist dies der Dom von Speyer – von Kraichtal aus gesehen. Im Hintergrund kann man die Silhouette der Berge des Pfälzer Waldes erahnen. Odenwald, Gäu, Nordschwarzwald und die Rheinebene mit den Bergen des Pfälzer Waldes bilden eine ferne Kulisse für das Kraichtal und für den Kraichgau. Aber es lassen sich bei uns im Kraichtal auch noch viele andere sehenswerte Dinge  entdecken……

(Entfernung Luftlinie: Vom Gleitschirm-Fllugplatz Oberacker bis zum Speyerer Dom sind es ca. 31 km)

Herbst im Kraichtal

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Ein schöner Herbstmorgen. Leichter Dunst liegt über dem Kraichtal mit seinen sanften Hügeln und zahlreichen Wäldern und Hecken. Gelb- und Rottöne beherrschen das herbstliche Bild.

Das Gelb der Pappeln mischt sich mit dem Grün der anderen Bäume – und dazwischen das rot werdende Laub des Waldes und der Streuobstwiesen im Hintergrund.

Die Roteiche, die in Nordamerika für die Rottöne im „Indian Summer“ sorgt, zeigt ein Farbspiel unterschiedlicher Rot- und Gelbtöne der Blätter.Die Roteiche ist nur vereinzelt im Kraichtal zu sehen. Wo sie aber angepflanzt wurde, bietet sie im Herbst ebenfalls ein farbenprächtiges Bild.

Auch das Pfaffenhütchen erweitert das rote Farbspektrum mit seinen Früchten.Die Mehlbeere taucht im Kraichtal vereinzelt auf. Sie gehört zu den Rosengewächsen und zeigt ähnliche Früchte wie die Hagebutten der Heckenrose. Allerdings tragen die Zweige der Mehlbeere keine Stacheln oder Dornen.

Zwar trägt die Traubeneiche noch Früchte, doch liegt schon ein Großteil der Eicheln auf dem Waldboden. In diesem Jahr gibt es viele Eicheln; es ist ein „Mast-Jahr“. Die Wildtiere werden in diesem Winter ein großes Futterangebot vorfinden.

Herbst im Rotbuchen-Wald

Auch hier gibt es in diesem Jahr ein reichhaltiges Futterangebot für den Winter.Die Bucheckern sind bei vielen Kleinsäugern, aber auch vielen Vogelarten sehr begehrt.Normalerweise sind die Schlehen – die Früchte des Schwarzdorns – um diese Zeit noch prall gefüllt, die lange Trockenheit hat aber auch hier ihre Spur hinterlassen.

Auch die zahlreichen Heckenrosen und der bei uns recht häufig anzutreffende Schneeball bringen Farbe in die Hecken.

Aber auch das ist der Herbst im Kraichtal: blühende Zwischenfrucht-Felder.

Ob die Sonnenblumen noch Früchte hervorbringen können, hängt jetzt davon ab, wann es die ersten Fröste gibt …

Hier finden letzte Insekten Nahrung und Kleintiere Schutz. Und auch dem Boden tun die Pflanzen gut; er wird gelockert und durchlüftet und erhält viele Nährstoffe.

Wer sich nach einer längeren Wanderung ausruhen möchte, der findet hier zahlreiche Möglichkeiten. Zudem bieten die meisten Bänke herrliche Ausblicke auf die Kraichtal-Landschaft.Hier ein Blick nach Osten in die sanft geschwungenen Hügel des Kraichgaus.

Der Tisch ist reich gedeckt in diesem Jahr: Obstgarten Kraichtal

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Man findet sie hier noch; ja sie sind typisch für das Kraichtal: die Streuobstwiesen rund um die Dörfer. Zwar sind große Teile in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zugunsten von Obstplantagen verschwunden, doch gibt es sie zum Glück noch im Kraichtal. Denn sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen als Lebensraum für zahllose Tiere, darunter auch vom Aussterben bedrohte Tierarten. Solche Obstanlagen umgaben die meisten Orte im Kraichtal. Die geernteten Früchte waren einen wichtiger Beitrag zur winterlichen Versorgung mit Obst und dem „Haustrunk“, dem Most.

Hier ein Teil einer Streuobstwiese im Frühsommer, wie man sie bei uns im Kraichtal noch häufig finden kann. Alte und junge Bäume in den verschiedensten Wuchsformen finden sich hier. Apfel- und Birnbäume, Kirschen und Zwetschgen, aber auch zahlreiche Walnussbäume, Quitten und Mirabellenbäume sind in einer solchen Streuobstwiese zu entdecken. Und man muss schon überdurchschnittliche Kenntnisse haben, wenn man die zahlreichen Sorten bestimmen und unterscheiden will. Denn im Gegensatz zum Supermarkt finden sich hier vor allem robuste Obstsorten, bei denen es keine Chemie braucht.  Manchmal findet sich auch ein Wurm in den Äpfeln, Birnen oder Kirschen. Dann schneidet man eben die befallenen Teile heraus und verarbeitet sie zu Kompott, Saft, Brei oder Marmelade und Gelee. Dafür wird aber eine breite Palette an Geschmack und Verwendungsmöglichkeit der verschiedenen Obstsorten geboten, wie man sie im Supermarkt sicher nicht in dieser Vielfalt geboten bekommt. Die folgenden Bilder zeigen einen kleinen Ausschnitt aus dem Kraichtaler „Freiluft-Obst-Angebot“, das Ende Mai mit den ersten Kirschen beginnt – und im Oktober mit den Quitten und Walnüssen endet.

Mit den Kirschen fängt es im Frühsommer an:… und auch hier gibt es zahlreiche SortenDann kommen ab Mitte Juli die ersten frühen Apfelsorten:Ab August fächert sich die „Apfel-Palette“ immer weiter auf.

der legendäre „Lederapfel“ der sich gut lagern lässt und bis weit ins nächste Jahr hinein tolle Obstkuchen liefert ….Ab Ende August bis Ende September erscheinen dann die Zwetschgen auf der BühneKuchen, Marmelade, Hochprozentiges …. oder einfach so essen!

Jetzt sind auch die Mirabellen mit ihren zahlreichen Sorten und die Pfirsiche reif. Allerdings findet man sie seltener in Streuobstwiesen sondern in Weinbergen und anderen warmen Standorten in kleinen Gruppen oder als Einzelbäume.

Auch bei den Mirabellen gibt es zahlreiche Sorten, die sich durch ihre Form, ihre Färbung und ihren Geschmack unterscheiden. Im Kraichtal werden sie oft zu „Hochprozentigem“ verarbeitet. Die gelben Sorten finden aber auch Verwendung als Kompott.

Auch Pfirsiche sind im Kraichtal als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen an warmen Standorten zu finden.September/Oktober: Jetzt sind die Quitten und Walnüsse an der Reihe – und auch die zahlreichen Birnensorten bereichern das Obstangebot.„Birnen-Quitte“Und die „Apfel-Quitte“Schmackhafte Birnen mit verschiedensten Aromen hängen an den Bäumen. Wie bei den anderen Obstsorten gibt es auch bei den Birnen zahllose Arten.Tafelbirnen und Mostbirnen unterscheiden sich deutlich. Die Tafelbirnen sind Züchtungen aus den wilden Birnensorten. Sie sind groß und deutlich „birnenförmig“. Es gibt – wie bei den Äpfeln –  mehrere Hunder Arten davon. Sie unterscheiden sich durch den Zeitpunkt der Reife, die Farbe, den Geschmack und die Lagerfähigkeit. Tafel- oder Speisebirnen gehören zu den Edelbirnen. In Streuobstwiesen spielen die Edelbirnen nur eine sehr untergeordete Rolle. Meist findet man sie als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen an warmen Standorten.Die zahlreichen Mostbirnen sind meist viel kleiner und sehen oft wie kleine Kugeln in Walnussgröße aus. Sie wurden früher dem regionalen Haustrunk, dem „Most“ beigemischt und verliehen ihm die typisch gelbe Farbe. Außerdem enthalten die Früchte viel Gerbstoffe, welche sie für den direkten Verzehr nicht geeignet machen. Mostbirnen sind im Gegensatz zu den Edelbirnen typische Vertreter der Streuobstwiesen.

Walnussbäume sind typisch für den Kraichgau. Oft sind es imposante Bäume mit oft mehr als 20 m Wuchshöhe und weit ausladenden Kronen.Allerdings wird die Ernte durch die Nussbaum-Fruchtfliege beeinträchtigt. Die Larven der Fliege zerstören die äußere Fruchthülle. Diese wird dann schwarz; bei Regenwetter ist sie schmierig-schleimig. Glücklicherweise schadet dies aber der eigentlichen Nuss im Inneren der Schale nicht. Das Ablösen der schwarzen Fruchthülle ist manchmal sehr mühsam.

Die schwarze Fruchthülle lässt sich – wenn auch manchmal sehr mühsam – entfernen; die Qualität der Nüsse leidet nicht darunter – und man kann sie ohne Bedenken essen. Allerdings sollte man sie vor dem endgültigen Einlagern gut trocknen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie sind typisch für den Kraichgau: Beeindruckende Hohlwege

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Die beeindruckenden Hohlwege im Kraichtal muss man gesehen haben. Es gibt nur wenige Gegenden in Deutschland, wo es noch solche Hohlwege gibt. In Baden-Württemberg ist dies zum Beispiel das Gebiet um den Kaiserstuhl in Südbaden. Als Folge der Eiszeiten wurde der gesamte Kraichgau vom Wind mit Löß bedeckt. Der tiefgefrorene und „durch Dauerfrost gefriergetrocknete“  Eiszeitschlamm (siehe das Infoplakat am Ende des Beitrags), der vom Rhein und anderen Flüssen abgelagert worden war, wurde vom Wind in den Kraichgau verblasen. Dabei entstanden Lößschichten von bis zu 35 m Mächtigkeit. Da früher von jedem Ort aus Wege in die Nachbardörfer führten, wurden diese von den eisenbeschlagenen Fuhrwerken der Bauern und Händler und von den beschlagenen Hufen der Zugtiere immer tiefer in den Löß gemahlen, bis sie auf das heutige Niveau in die Lößschicht absanken. Und dieser Prozess geht auch heute noch weiter. Wer heute im Kraichgau während der heißen und trockenen Monate unterwegs ist, der kann vom feinen Lößstaub ein Lied singen, der durch Fahrzeuge und Landmaschinen entsteht.  Und sogar, wenn man mit den Wanderschuhen auf den Boden stampft, entsteht ein Abdruck im Boden – und der Schuh wird staubig.  Bei starkem Regen können an den offenen Steilwänden und der Hohlweg-Sohle Ausspülungen entstehen, welche die  schlammhaltigen Fluten weiterspülen. Als Folge entstehen dann Rutschungen am den seitlichen Hängen, welche den Hohlweg immer mehr in eine „V“-Form bringen. Junge Hohlwege sind anfangs „U“-förmig.

Ein Hohlweg-System im Kraichtal. Der Boden wurde hier mit Schotter befestigt. Dies ist aber keine Dauerlösung. Die Steine graben sich immer tiefer in den Untergrund, wenn der Hohlweg befahren wird. Der „pulverisierte“ Löß bleibt aber oben. In ein paar Jahren muss dann nachgebessert werden.

An dieser Stelle ist die Lößschicht über 10 m hoch. Auf der linken Böschung sind im oberen Teil die freigelegten Wurzeln der Büsche und Bäume sichtbar, welche den Löß „gesprengt haben. Die Abbruchkante wird noch von der Vegetation gehalten.

Hier sieht man die tief in die Lößschicht ragenden Wurzeln, die durch ihr Dickenwachstum  einzelne Lößplatten „weggesprengt“ haben. Vor allem sind es die Wurzeln der Robinien  , welche in den Kraichtaler Hohlwegen diese „Sprengwirkung“  in den  Lößschichten haben.

Die durch den Wurzeldruck oder Ausspülungen entstandenen Hohlräume können dann von Tieren genutzt werden, die dort ihre Höhlen oder Brutplätze finden. Kleinsäuger wie der Siebenschläfer graben hier ihre Höhlen, verschiedene Singvögel nutzen die entstandenen Hohlräume als Brutstätte und zahlreiche Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Wespen, Käfer und Schmetterlinge kommen hier vor.

Hier unter den Wurzeln bieten sich viele Unterschlupf-Möglichkeiten auch für größere Säugetiere wie zum Beispiel Dachs …

Aus einer durch Rutschungen freigelegten Wurzel entwickelt sich ein neuer Stamm der Robinie. Mit der Robinie, die mit Hilfe ihrer Wurzelbakterien Stickstoff bilden kann, entsteht dadurch aber auch eine neue Pflanzengesellschaft in den Hohlwegen, welche diesen Stickstoff nutzen kann.

Hier ist offenbar ein Traktor gefahren. Trotz der Stein-Einlagen bleiben seine Spuren sichtbar. Hier handelt es sich um staubfein gemahlenen Löß. Der Wind kann ihn verblasen – und Regen verwandelt ihn in Lehmschlamm.

Viele dieser Hohlwege im Kraichtal sind mehrere hundert Meter lang. Und wenn man dort an einem heißen Tag unterwegs ist, kann man dort auch ausgiebig Schatten genießen. Und es kann eine romantische und unvergessliche Wanderung werden, wenn man die Hohlwege erkundet – und dort den speziellen Reiz dieses Lebensraumes erfährt.

Bei Regenwetter oder nach Tagen mit Starkregen sollte man aber daran denken, dass man in den Hohlwegen auf Löß – und nicht auf Sand – unterwegs ist.

Ein Gang in den Hohlwegen im Kraichtal ist auch ein Weg durch die Naturgeschichte des Kraichtals. Wenn man sich Zeit nimmt, Augen und Ohren offen hält, dann kann man gerade hier viele spannende Begegnungen mit der Natur bekommen. Ein Gang also, der sich lohnt ….

Die folgenden Bilder zeigen Ausspülungen nach Starkregen-Ereignissen.

Wegen der Rutschgefahr der Böschungen ist auch das Buddeln oder Begehen dieser Steilwände verboten.

Und wer es genauer wissen möchte: Am Ortsrand von Kraichtal-Unteröwisheim in Richtung Kraichtal-Münzesheim am Rand eines großen Parkplatzes steht diese Info-Tafel zum Löß im Kraichgau.  Hier wäre auch ein möglicher Startpunkt zum Erkunden der Hohlwege.

TIPP:Sehenswert sind auch die Hohlwege in Oberöwisheim – vor allem die „Galgenhohle“ – und die Hohlwege in und um Zeutern.

Blühstreifen und Zwischenfrucht-Kulturen: „Naturschutzgebiete auf Zeit“

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Das Getreide ist gemäht. Soweit das Auge reicht, abgeerntete Ackerflächen. Ab und zu unterbrochen durch das Grün der Maisfelder, das bis in den Herbst hinein erhalten bleiben wird.

Sonst nur Stoppelfelder, die bald bearbeitet werden.

Und es gibt Gewinner dieser Situation: Greifvögel, die jetzt wieder freie Sicht auf den Boden haben, der jetzt kaum noch Verstecke bietet. Singvögel wie Lerchen, Feldsperlinge, Bluthänflinge, Grünfinken, Distelfinken und andere Arten haben jetzt aber ein gewaltiges Problem: die Deckung fehlt – und auch bei vielen Arten wird die Nahrung knapp!

Ein Bluthänfling auf einem abgeernteten Rapsfeld. Doch in der Nähe kann er wieder etwas finden ….

Und dann so etwas: ein botanisches Allerlei, das recht wild aussieht. So eine Wildnis, wird mancher denken. Wie kann man so etwas dulden? Hektarweise ein Pflanzengewirr! – Doch es lohnt sich, einmal genauer hinzusehen. Was wächst da eigentlich – und warum lässt man es wachsen? Wieso nennt man das Gebilde „Blühstreifen“, wo doch nur ab und zu eine blühende Pflanze zu sehen und vieles schon verblüht ist?

Sonnenblumen, Disteln, Hühnerhirse, Flughafer, Kornblumen, Büschelschön (Phacelia), Acker-Rettiche, Buchweizen und viele andere Pflanzenarten mehr sind in dem „Blühstreifen“ enthalten. Spätestens jetzt muss klar werden, dass diese wild aussehende „grüne Wildnis“ eine wichtige Funktion hat. Für viele der genannten Vogelarten bietet sie zum einen Nahrung, aber auch Schutz vor Fressfeinden. Zudem profitieren von diesen Flächen sehr viele Insektenarten, die im Verlauf eines Jahres wichtige Aufgaben als Bestäuber unserer Feldfrüchte und Obstbäume haben. Davon haben auch die Vogelarten etwas, die sich überwiegend von den Insekten ernähren. Werden die Blühstreifen rechtzeitig im Jahr angelegt, kann dies dazu beitragen, dass viele bodenbrütende Arten ihren Nachwuchs ohne Gefahr aufziehen können, da keine maschinelle Bearbeitung bis ins Spätjahr hinein erfolgt. So können auch die bei uns im Kraichtal selten gewordenen Rebhühner wieder einen Rückzugsort finden, wo sie über einen großen Zeitraum Schutz und Deckung haben.

Feldhasen vor dem Blühstreifen. Bei Gefahr bietet er auch  ihnen Schutz, Deckung und vielleicht auch Nahrung.

Aber auch der Landwirt kann vom Anlegen solcher Blühstreifen profitieren. Wie die letzten Monate gezeigt haben, müssen wir uns vermehrt auf Starkregen-Ereignisse nach langen Trockenperioden einstellen. Das bedeutet, dass in diesem Fall ein Feld oft nicht in der Lage ist, das Wasser aufzunehmen und den Boden festzuhalten, wenn es zu viel Niederschlag gibt. Gerade bei uns im Kraichgau mit den vielen Hügeln kann dies zum Problem werden. Auf den Wirtschaftswegen kann man dann nach solchen Ereignissen das Ergebnis sehen, wenn diese dick mit einer Schlammschicht aus wertvollem Ackerboden bedeckt sind. Bei Feldern mit ausreichend breiten Blühstreifen besteht diese Gefahr nicht in dem Maße.

 

Landwirte oder Jäger, die solche Flächen ermöglichen, leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Acker- und Feldflur, einem Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, die auch für uns Menschen eine große Bedeutung haben. Sie bieten dem Leben ein „Naturschutzgebiet auf Zeit“.  Als Beleg können die folgenden Bilder dienen, die im Herbst 2017 (Oktober bis Dezember) in den Blühstreifen und Zwischenfrucht-Feldern entstanden sind:

Buchfink

Herbstblüte

Kleiber

Distelfinken holen sich die Samen der verschiedenen Knöterich-Arten

Und hier Bilder aus einem Zwischenfrucht-Feld, die im März 2018 entstanden sind.  Hier gibt es auch für den Fasan Deckung – und auch noch Nahrung, wie die verbliebenen Früchte auf den Pflanzen zeigen.