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Der Tisch ist reich gedeckt in diesem Jahr: Obstgarten Kraichtal

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Man findet sie hier noch; ja sie sind typisch für das Kraichtal: die Streuobstwiesen rund um die Dörfer. Zwar sind große Teile in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zugunsten von Obstplantagen verschwunden, doch gibt es sie zum Glück noch im Kraichtal. Denn sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen als Lebensraum für zahllose Tiere, darunter auch vom Aussterben bedrohte Tierarten. Solche Obstanlagen umgaben die meisten Orte im Kraichtal. Die geernteten Früchte waren einen wichtiger Beitrag zur winterlichen Versorgung mit Obst und dem „Haustrunk“, dem Most.

Hier ein Teil einer Streuobstwiese im Frühsommer, wie man sie bei uns im Kraichtal noch häufig finden kann. Alte und junge Bäume in den verschiedensten Wuchsformen finden sich hier. Apfel- und Birnbäume, Kirschen und Zwetschgen, aber auch zahlreiche Walnussbäume, Quitten und Mirabellenbäume sind in einer solchen Streuobstwiese zu entdecken. Und man muss schon überdurchschnittliche Kenntnisse haben, wenn man die zahlreichen Sorten bestimmen und unterscheiden will. Denn im Gegensatz zum Supermarkt finden sich hier vor allem robuste Obstsorten, bei denen es keine Chemie braucht.  Manchmal findet sich auch ein Wurm in den Äpfeln, Birnen oder Kirschen. Dann schneidet man eben die befallenen Teile heraus und verarbeitet sie zu Kompott, Saft, Brei oder Marmelade und Gelee. Dafür wird aber eine breite Palette an Geschmack und Verwendungsmöglichkeit der verschiedenen Obstsorten geboten, wie man sie im Supermarkt sicher nicht in dieser Vielfalt geboten bekommt. Die folgenden Bilder zeigen einen kleinen Ausschnitt aus dem Kraichtaler „Freiluft-Obst-Angebot“, das Ende Mai mit den ersten Kirschen beginnt – und im Oktober mit den Quitten und Walnüssen endet.

Mit den Kirschen fängt es im Frühsommer an:… und auch hier gibt es zahlreiche SortenDann kommen ab Mitte Juli die ersten frühen Apfelsorten:Ab August fächert sich die „Apfel-Palette“ immer weiter auf.

der legendäre „Lederapfel“ der sich gut lagern lässt und bis weit ins nächste Jahr hinein tolle Obstkuchen liefert ….Ab Ende August bis Ende September erscheinen dann die Zwetschgen auf der BühneKuchen, Marmelade, Hochprozentiges …. oder einfach so essen!

Jetzt sind auch die Mirabellen mit ihren zahlreichen Sorten und die Pfirsiche reif. Allerdings findet man sie seltener in Streuobstwiesen sondern in Weinbergen und anderen warmen Standorten in kleinen Gruppen oder als Einzelbäume.

Auch bei den Mirabellen gibt es zahlreiche Sorten, die sich durch ihre Form, ihre Färbung und ihren Geschmack unterscheiden. Im Kraichtal werden sie oft zu „Hochprozentigem“ verarbeitet. Die gelben Sorten finden aber auch Verwendung als Kompott.

Auch Pfirsiche sind im Kraichtal als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen an warmen Standorten zu finden.September/Oktober: Jetzt sind die Quitten und Walnüsse an der Reihe – und auch die zahlreichen Birnensorten bereichern das Obstangebot.„Birnen-Quitte“Und die „Apfel-Quitte“Schmackhafte Birnen mit verschiedensten Aromen hängen an den Bäumen. Wie bei den anderen Obstsorten gibt es auch bei den Birnen zahllose Arten.Tafelbirnen und Mostbirnen unterscheiden sich deutlich. Die Tafelbirnen sind Züchtungen aus den wilden Birnensorten. Sie sind groß und deutlich „birnenförmig“. Es gibt – wie bei den Äpfeln –  mehrere Hunder Arten davon. Sie unterscheiden sich durch den Zeitpunkt der Reife, die Farbe, den Geschmack und die Lagerfähigkeit. Tafel- oder Speisebirnen gehören zu den Edelbirnen. In Streuobstwiesen spielen die Edelbirnen nur eine sehr untergeordete Rolle. Meist findet man sie als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen an warmen Standorten.Die zahlreichen Mostbirnen sind meist viel kleiner und sehen oft wie kleine Kugeln in Walnussgröße aus. Sie wurden früher dem regionalen Haustrunk, dem „Most“ beigemischt und verliehen ihm die typisch gelbe Farbe. Außerdem enthalten die Früchte viel Gerbstoffe, welche sie für den direkten Verzehr nicht geeignet machen. Mostbirnen sind im Gegensatz zu den Edelbirnen typische Vertreter der Streuobstwiesen.

Walnussbäume sind typisch für den Kraichgau. Oft sind es imposante Bäume mit oft mehr als 20 m Wuchshöhe und weit ausladenden Kronen.Allerdings wird die Ernte durch die Nussbaum-Fruchtfliege beeinträchtigt. Die Larven der Fliege zerstören die äußere Fruchthülle. Diese wird dann schwarz; bei Regenwetter ist sie schmierig-schleimig. Glücklicherweise schadet dies aber der eigentlichen Nuss im Inneren der Schale nicht. Das Ablösen der schwarzen Fruchthülle ist manchmal sehr mühsam.

Die schwarze Fruchthülle lässt sich – wenn auch manchmal sehr mühsam – entfernen; die Qualität der Nüsse leidet nicht darunter – und man kann sie ohne Bedenken essen. Allerdings sollte man sie vor dem endgültigen Einlagern gut trocknen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Blühstreifen und Zwischenfrucht-Kulturen: „Naturschutzgebiete auf Zeit“

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Das Getreide ist gemäht. Soweit das Auge reicht, abgeerntete Ackerflächen. Ab und zu unterbrochen durch das Grün der Maisfelder, das bis in den Herbst hinein erhalten bleiben wird.

Sonst nur Stoppelfelder, die bald bearbeitet werden.

Und es gibt Gewinner dieser Situation: Greifvögel, die jetzt wieder freie Sicht auf den Boden haben, der jetzt kaum noch Verstecke bietet. Singvögel wie Lerchen, Feldsperlinge, Bluthänflinge, Grünfinken, Distelfinken und andere Arten haben jetzt aber ein gewaltiges Problem: die Deckung fehlt – und auch bei vielen Arten wird die Nahrung knapp!

Ein Bluthänfling auf einem abgeernteten Rapsfeld. Doch in der Nähe kann er wieder etwas finden ….

Und dann so etwas: ein botanisches Allerlei, das recht wild aussieht. So eine Wildnis, wird mancher denken. Wie kann man so etwas dulden? Hektarweise ein Pflanzengewirr! – Doch es lohnt sich, einmal genauer hinzusehen. Was wächst da eigentlich – und warum lässt man es wachsen? Wieso nennt man das Gebilde „Blühstreifen“, wo doch nur ab und zu eine blühende Pflanze zu sehen und vieles schon verblüht ist?

Sonnenblumen, Disteln, Hühnerhirse, Flughafer, Kornblumen, Büschelschön (Phacelia), Acker-Rettiche, Buchweizen und viele andere Pflanzenarten mehr sind in dem „Blühstreifen“ enthalten. Spätestens jetzt muss klar werden, dass diese wild aussehende „grüne Wildnis“ eine wichtige Funktion hat. Für viele der genannten Vogelarten bietet sie zum einen Nahrung, aber auch Schutz vor Fressfeinden. Zudem profitieren von diesen Flächen sehr viele Insektenarten, die im Verlauf eines Jahres wichtige Aufgaben als Bestäuber unserer Feldfrüchte und Obstbäume haben. Davon haben auch die Vogelarten etwas, die sich überwiegend von den Insekten ernähren. Werden die Blühstreifen rechtzeitig im Jahr angelegt, kann dies dazu beitragen, dass viele bodenbrütende Arten ihren Nachwuchs ohne Gefahr aufziehen können, da keine maschinelle Bearbeitung bis ins Spätjahr hinein erfolgt. So können auch die bei uns im Kraichtal selten gewordenen Rebhühner wieder einen Rückzugsort finden, wo sie über einen großen Zeitraum Schutz und Deckung haben.

Feldhasen vor dem Blühstreifen. Bei Gefahr bietet er auch  ihnen Schutz, Deckung und vielleicht auch Nahrung.

Aber auch der Landwirt kann vom Anlegen solcher Blühstreifen profitieren. Wie die letzten Monate gezeigt haben, müssen wir uns vermehrt auf Starkregen-Ereignisse nach langen Trockenperioden einstellen. Das bedeutet, dass in diesem Fall ein Feld oft nicht in der Lage ist, das Wasser aufzunehmen und den Boden festzuhalten, wenn es zu viel Niederschlag gibt. Gerade bei uns im Kraichgau mit den vielen Hügeln kann dies zum Problem werden. Auf den Wirtschaftswegen kann man dann nach solchen Ereignissen das Ergebnis sehen, wenn diese dick mit einer Schlammschicht aus wertvollem Ackerboden bedeckt sind. Bei Feldern mit ausreichend breiten Blühstreifen besteht diese Gefahr nicht in dem Maße.

 

Landwirte oder Jäger, die solche Flächen ermöglichen, leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Acker- und Feldflur, einem Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen, die auch für uns Menschen eine große Bedeutung haben. Sie bieten dem Leben ein „Naturschutzgebiet auf Zeit“.  Als Beleg können die folgenden Bilder dienen, die im Herbst 2017 (Oktober bis Dezember) in den Blühstreifen und Zwischenfrucht-Feldern entstanden sind:

Buchfink

Herbstblüte

Kleiber

Distelfinken holen sich die Samen der verschiedenen Knöterich-Arten

Und hier Bilder aus einem Zwischenfrucht-Feld, die im März 2018 entstanden sind.  Hier gibt es auch für den Fasan Deckung – und auch noch Nahrung, wie die verbliebenen Früchte auf den Pflanzen zeigen.