Heute vor 4 Jahren: Ein äußerst seltener Irrgast aus der Polar-Region bei uns im Kraichtal: Odinshühnchen

Heute vor 4 Jahren: Ein äußerst seltener Irrgast aus der Polar-Region bei uns im Kraichtal: Odinshühnchen

Heute genau vor 4 Jahren, am 28.09.2017, 10:15 Uhr, konnte ich im Kraichtal etwas beobachten, was sich wahrscheinlich in meinem ganzen Leben nicht mehr wiederholen wird: Ein Odinshühnchen aus arktischen Regionen schwamm bei uns auf einem See im Kraichtal. Zunächst wusste ich nicht, um welche Vogelart es sich hier handelte. So fotografierte ich einen Vogel, der ständig in Bewegung war, aufflog und landete, aufflog und landete,  im See nach Nahrung suchte – und dann wieder aufflog. Glücklicherweise konnte ich meinen Freund Thomas Bratzel per Handy erreichen; doch als er dann herbeigeeilt kam, konnte auch er die Vogelart vor Ort zunächst nicht bestimmen.  Einig waren wir uns aber, dass es sich hier um einen Vogel aus der Familie der Schnepfenvögel handeln musste. Die nachträgliche Bestimmung mit der entsprechenden Fachliteratur brachte Gewissheit: Der fotografierte Vogel war das Odinshühnchen. Dieser Befund wurde anschließend durch erfahrene Ornithologen bestätigt.

Was die Sache so einzigartig macht: Die Brutgebiete des Odinshühnchens liegen in Norwegen, Finnland, Island, den Färöern, den Shetlandinseln, den Orkneys und den Hebriden, aber auch in Schweden und Russland. Die Überwinterungsgebiete der Odinshühnchen aus diesen Brutgebieten befinden sich in Westafrika, in Ostafrika und im Bereich des Persischen Golfes. Während der Zugzeit kann man sie – wenn überhaupt  – im August und September an der Nordseeküste beobachten. Die Tatsache, dass dieser Vogel bei uns im Kraichtal beobachtet werden konnte, ist also eine absolute Seltenheit! Eine mögliche Ursache für die Anwesenheit des Odinshühnchens war wahrscheinlich die damalige Sturm-Wetterlage, welche das Odinshühnchen auf seinem Zug „verblasen“ haben könnte.  Das abgebildete Odinshühnchen befindet sich schon wieder in seinem „Schlichtkleid“. Deswegen lässt es sich auch nicht erkennen, ob es sich hier um ein Weibchen oder ein Männchen handelt.  Nach kurzer Zeit flog das Odinshühnchen wieder weiter. Es bleibt zu hoffen, dass es wohlbehalten an seinem Ziel im Überwinterungsgebiet angekommen ist.

Die obige Bildergalerie zeigt einige Bilder des kurzen Aufenthaltes des Odinshühnchens bei uns im Kraichtal. Überhaupt liegt das Kraichtal in einem Gebiet, das von vielen Zugvögeln überflogen wird.  So kann es vorkommen, dass sich bei uns während der Zugzeiten im Früh- und Spätjahr auch sehr seltene Arten beobachten lassen. Das Auftauchen des Odinshühnchens im Kraichtal wird aber wahrscheinlich eine einmalige Angelegenheit bleiben.

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