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Wer Bärlauch sammeln will, sollte genau hinsehen …

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In den letzten Jahren hat der vor einigen Jahrzehnten schon beinahe vergessene Bärlauch eine wahres „Bärlauch-Fieber“ ausgelöst. Bärlauch wird zwar schon seit vielen Jahrhunderten vom Menschen als Gewürz- und Heilpflanze genutzt, aber seine heutige Bedeutung hat er erst in den letzten Jahren wiedererlangt, als man sich daran  erinnerte, dass er eine tolle Ergänzung des Wildkräuter-Angebots darstellen kann. Neben seiner Bedeutung als Heilpflanze  findet er heute als Pesto, in Saucen,  in Gebäck oder als Zutat in Wurst- und Fleischgerichten, aber auch in vielen anderen Speisen Verwendung. So ist es kein Wunder, dass man jedes Frühjahr immer mehr Menschen mit Plastiktüten, Sammelkörben, Scheren und Messern in den entsprechenden Gebieten antrifft, in denen der Bärlauch vorkommt. Tatsächlich ist der Bärlauch das erste Wildkraut im Laufe eines Jahres, das sich für all diese Zwecke anbietet.Bei uns im Kraichtal gibt es einige Stellen, an denen der Bärlauch regelrechte „Teppiche“ bildet. Kein Wunder also, wenn an diesen Stellen auch Sammler zu finden sind. Bärlauch wird vor allem dann gesammelt, wenn er noch keine Blütenstände gebildet hat. Deswegen kann das Sammeln leider aber auch zur großen Gefahr werden: Denn gleichzeitig mit dem Bärlauch erscheinen auch Pflanzen, die sehr giftig sind. Und leider kommt es in Deutschland jedes Jahr zu zahlreichen und schweren Vergiftungen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, diese Vergiftungen zu vermeiden, wenn man die giftigen Pflanzen vom Bärlauch unterscheiden kann.

Deswegen sollen  in diesem Beitrag  alle Pflanzen vorgestellt werden, bei denen es oft – aus verschiedenen Gründen – zur Verwechslungen kommen kann. Dies sind vor allem die Herbstzeitlose, das Maiglöckchen – und manchmal auch der Aronstab.

Doch: Wer sich auskennt – und sich vor allem beim Sammeln Zeit lässt, dem kann eigentlich nichts geschehen:

Bärlauch-Pflanzen in einem Bruchwald.  Man kann hier die wichtigsten Merkmale des Bärlauchs erkennen. Beim Bärlauch hat jedes Blatt einen eigenen Stiel. Die Blätter sind schmal und recht dünn, die Blattnerven verlaufen parallel zueinander und sind deutlich voneinander entfernt. Das Blatt selbst verbreitert sich schnell vom dünnen Stiel auf seine volle Breite. Dabei bleibt das Blatt bis zur Spitze eben und ist am Ende auch “ nicht löffelartig“ zusammengezogen. Darüber hinaus wirkt es schlaff. Ein ganz wichtiger Unterschied ist der knoblauchartige Geruch. Wenn man die Blätter zwischen den Fingern zerreibt, wird der Geruch deutlich. Allerdings kann man diesen Test nur einmal machen. Hat man einmal diese Geruchsprobe gemacht, bleibt der Geruch  an den Fingern und Werkzeugen- und alles riecht dann nach Knoblauch, selbst Maiglöckchen und geruchlose andere Pflanzen, die man auf ihren Geruch hin testen will.

Tipp: Deswegen sollte man den Bärlauch Blatt für Blatt (vielleicht mit einer Schere) ernten – und nicht büschelweise mit einem Messser – was sich vielleicht bei einem Massenvorkommen anbietet – abschneiden. Dabei kontrollieren, ob auch jedes Blatt einen langen, eigenen Stiel hat – und ob das Blatt vom dünnen Stiel schnell auf die volle Blattbreite übergeht. Erntet man mit einem Messer großflächig, so können auch unerwünschte Pflanzen im Sammelkorb landen. Denn einige der giftigen Pflanzen können mitten im Bärlauch-Teppich vorkommen.Und wer ganz sicher gehen will, der erntet den Bärlauch ein paar Tage später, nämlich erst dann, wenn er blüht. Es gibt dann zwar leichte Einbußen beim Geschmack, aber man kann sicher sein, dass es sich hier um Bärlauch handelt. Und so sieht der Blütenstand einer Bärlauch-Pflanze aus. Übrigens: Man kann Bärlauch im eigenen Garten oder im Blumenkübel anpflanzen – oder ganz einfach kaufen.

Verwechslungsgefahr Herbstzeitlose:

Die Herbstzeitlose ist hochgiftig und kann auch dort vorkommen, wo der Bärlauch wächst. Und das ist die Herbstzeitlose, die zur gleichen Zeit wie der Bärlauch erscheint. Verwechslungen können schwere gesundheitliche Schäden verursachen – oder sogar zum Tod führen. Auch für viele Weidetiere ist diese Pflanze tödlich giftig. Bei der Herbstzeitlose sieht man im Frühjahr nur die Blätter; im Herbst nur die Blüten. Sie wächst vor allem auf feuchten Wiesen, aber auch auf waldnahen Feuchtwiesen. So kann es auch bei dieser Pflanze zu Verwechslungen mit dem Bärlauch kommen, der ja auch in feuchten Wäldern und Waldrändern vorkommt. Glücklicherweise gibt es aber Merkmale, mit deren Hilfe man Bärlauch und die Herbstzeitlose sicher unterscheiden kann: Im Gegensatz zum Bärlauch hat bei der Herbstzeitlose nicht jedes Blatt einen eigenen Stiel; alle Blätter kommen aus einer „Blattrolle“. Im Gegensatz zu den Bärlauch-Blättern sind die Blätter der Herbstzeitlose dick, steif  und fleischig. Die Blattenden sind an der Spitze jeweils zusammengezogen und sehen wie der Bug eines Bootes – oder von der Seite gesehen wie die Spitze eines Löffels aus. Die Spitzen aller Blätter sind leicht nach links gedreht. Die Blätter sind geruchlos. Und was auch wichtig ist: Die Herbstzeitlose blüht im Frühjahr nicht.Herbstzeitlose an einem Wegrain am Waldrand, nur wenige Meter von einem Bärlauch-Vorkommen entferntHier sieht man die leicht verdrehten und „bootsförmig“ zusammengefassten Blattenden der Herbstzeitlose.

Verwechslungsgefahr Aronstab:

Auch er ist giftig. Der Aronstab erscheint zur gleichen Zeit oft gemeinsam dicht neben dem Bärlauch. Und meist kommt es hier zu Verwechslungen, wenn nicht Blatt für Blatt geerntet wird – sondern die Pflanzen großflächig und büschelweise mit einem Messer abgeschnitten werden und im Sammelbehälter landen. Die Gefahr besteht vor allem bei jungen Aronstab-Blättern, da sie noch nicht die Form der ausgewachsenen Blätter haben. Ein Blick auf die Blattnerven gibt aber auch hier sofort Klarheit. Verlaufen die Blattnerven nicht parallel zueinander, ist es kein Bärlauch.Hier befinden sich mehrere Exemplare des Aronstabs, umgeben von zahlreichen Bärlauch-Pflanzen. Eigentlich kann man den Aronstab nicht mit Bärlauch verwechseln, wenn man die Blätter genau betrachtet. Die Blattnerven verlaufen nicht parallel sondern verteilen sich netzartig über die gesamte Breite des Blattes.Deutlich sieht man die netzartig verlaufenden Blattnerven des Aronstabs auf einem noch jungen Blatt. Rechts ist ein älteres Blatt zu sehen.Das ätere Blatt des Aronstabs zeigt die Form einer Pfeil- oder Lanzenspitze. Auch die netzförmig verlaufenden Blattnerven sind hier deutlich zu erkennen.Im Vergleich dazu die Blätter des Bärlauchs. Die Blattnerven verlaufen deutlich parallel zueinander. Auch die Blätter haben eine ganz andere Form.

Verwechslungsgefahr Maiglöckchen:

Das Maiglöckchen erscheint zwar später als der Bärlauch, aber auch hier kann es zu Verwechslungen kommen. Denn das Maiglöckchen entwickelt ähnlich aussehende Blätter. Allerdings sind diese geruchlos und sehen – wenn man genau hinschaut – auch anders aus. Während die Blätter des Bärlauchs einen recht langen Stiel haben und schnell vom dünnen Stiel auf die volle Breite des Blattes übergehen, verläuft beim Maiglöckchen der Übergang vom Stiel zur gesamten Blattbreite allmählich. Ein weiteres Merkmal ist die glänzende Oberseite der Maiglöckchen-Blätter. Beim Bärlauch glänzt sie nicht.Zudem kommen die Blätter des Maiglöckchens aus einem gerollten Blatt. Während der Bärlauch immer viele Blätter entwickelt, finden sich beim Maiglöckchen immer nur 2-3 Blätter.Jedes Maiglöckchen hat zwei Blätter die aus einem zusammengerollten Blatt kommen. Beim Bärlauch erscheint jedes Blatt mit einem eigenen Blattstiel. Zwar erscheinen Maiglöckchen viel später im Frühjahr als der Bärlauch; trotzdem kommt es gerade zwischen diesen beiden Pflanzen häufig zu Verwechslungen, weil die Blätter ähnlich aussehen. Im Gegensatz zum Bärlauch glänzt die Oberseite der Blätter des Maiglöckchens. Die beiden Blätter des Maiglöckchens umfassen den Stängel. Zudem treten sie aus einer zusätzlichen Blattscheide aus. Diese Blattscheide kann man auf dem Bild bei zwei Pflanzen auf der rechten Seite erkennen. Also: Genau hinsehen!

Beim Bärlauch ist jedes Blatt samt dem zugehörigen Blattstiel zu sehen. Auf dem Bild erscheinen neben den einzelnen Laubblättern  auch schon die ersten Blütenstiele mit den noch von Hüllblättern umgebenen Blütenständen.  Nochmals: Jedes Blatt kommt beim Bärlauch einzeln aus dem Boden! So sammelt man Bärlauch richtig: Blatt für Blatt ernten, den Stiel beim Blatt belassen, dass man vor seiner Verwendung nochmals genau prüfen kann, ob sich auch kein anderes Blatt „eingeschlichen“ hat. Ein offenes Behältnis ist ebenfalls von Vorteil, da hier im Gegensatz zu einer Plastiktüte die Blattstruktur erhalten bleibt.

Es ist auch wichtig zu wissen, dass der Bärlauch den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes unterworfen ist. Auch beim Bärlauch gilt, dass er nur für den Eigenbedarf gesammelt werden darf. Wer dies gewerblich tut, braucht dafür eine behördliche Genehmigung.

 

Abschließend sei erwähnt, dass alle gesammelten Wildkräuter vor ihrer Verwendung gründlich gewaschen werden sollten!

 

Bärlauch

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Bärlauch kommt im Kraichtal zuweilen großflächig vor; vor allem in Auwald-Bereichen ist er zu finden. Bärlauch gehört zu den Liliengewächsen, einer artenreichen Pflanzenfamile, von der im Kraichtal einige Arten zu finden sind. So ist er mit Schnittlauch, dem Knoblach, dem Lauch und den Zwiebeln verwandt. In den letzten Jahren hat Bärlauch als „Wilder Knoblauch“ an Bedeutung gewonnen und wird daher eifrig gesammelt. Allerdings muss man auch in diesem Falle beachten, dass es giftige Doppelgänger gibt: Maiglöckchen und Herbstzeitlose, die von der Blattform her ähnlich gebaut sind. Wird Bärlauch auf Wiesen gesammelt, kann vor allem das Verwechseln mit der Herbstzeitlose  sehr gefährlich werden. Zwar kann es bei blühenden Exemplaren eigentlich keine Verwechslung geben; die Gefahr besteht aber darin, dass Bärlauch im allgemeinen schon vor der Blüte gesammelt wird. Zwar ist der typische Knoblauchgeruch der Blätter ein wesentliches Erkennungsmerkmal; wer aber schon einige Bärlauchpflanzen gesammelt hat, der hat schon den Knoblauchgeruch in der Nase und an den Händen. Dann riecht jede Pflanze nach Knoblauch, weil der Geruch lange an der Haut haften bleibt. Wer ganz sicher gehen will, der sollte Bärlauch kaufen – oder im eigenen Garten anbauen. Dies gelingt vor allem dann, wenn man  in einer Gegend wohnt, wo Bärlauch auch wild vorkommt. Wer ihn für die eigene Küche verwenden will, sollte ihn gut kennen. Darüber hinaus gilt es, den im Wald gesammelten Bärlauch gut zu waschen, um Infektionen mit Parasiten (z.B. Fuchsbandwurm) zu vermeiden.

Große Ansammlung von Bärlauch-Pflanzen in einem Auwald.

Während der Blütezeit kann der Bärlauch im Auwald beeindruckende Blütenteppiche hervorbringen

Blüten des Bärlauchs