Rabenkrähen mögen einfach keine Milane in ihrem Revier

Dass Krähen nicht gut auf Greifvögel zu sprechen sind, kann man das ganze Jahr über am Himmel betrachten. Wenn es aber darum geht, das Revier zu verteidigen, dann  geben die Rabenkrähen alles. Normalerweise ist das während des Winters eine einfachere Aufgabe, als dies im Frühjahr und im Sommer der Fall ist. Wenn es darum geht, im Winter einen Mäusebussard zu vertreiben, so gelingt dies relativ einfach. Meist gibt der Mäusebussard nach einigen Angriffen entnervt auf – und fliegt weg. Beim Rotmilan liegt der Fall anders. Er ist viel gewandter im Flug als ein Mäusebussard – und das scheint er zu wissen. Wenn Rotmilane im Frühling wieder zu uns kommen, besetzen sie natürlich auch ein eigenes Brutrevier. Dass es dabei bei der relativ hohen Anzahl an Rabenkrähen zu Konflikten kommt, ist eigentlich vorprogrammiert.Ein Milan zieht am Himmel seine Kreise. Gelassen nutzt er die Thermik und schwebt mit ausgebreiteten Flügeln über den Feldern.Da kommt plötzlich eine Rabenkrähe von hinten und fliegt dem Rotmilan hinterher. Eine kurze Wendung – und schon scheint der Rotmilan außer Gefahr.Doch plötzlich sind 2 Krähen da, die dem Rotmilan deutlich machen, dass er hier verschwinden soll. Mit ein paar Schwanzbewegungen und ein paar Flügelschlägen versucht der Milan, sich die beiden Krähen vom Leib zu halten. Eine der Krähen geht zum Angriff über und will dem Rotmilan an die Federn. Ein Flügelschlag und eine kurze Drehung des Schwanzes, und schon ist der Milan außer Reichweite.Die beiden geben nicht auf. Sie verfolgen den Eindringling hartnäckig. Doch der Rotmilan ist den beiden Krähen, die auch ausgezeichnete Flieger sind, überlegen. Doch die Beiden geben die Verfolgung nicht auf. So schnell wird man Krähen nicht los. Jetzt starten sie einen erneuten Angriff. Der Milan sieht, was seine Gegner vorhaben. Offenbar wollen sie jetzt von oben angreifen. Eine der Krähen scheint schon „ihre Krallen auszufahren“. Der Milan registriert das.  Tatsächlich soll jetzt ein Angriff von oben und der Seite erfolgen. Doch sie haben die Rechnung ohne die Flugkünste des Milans gemacht. Eine Wendung – und der Milan ist jetzt plötzlich hinter den Verfolgern.  Nach minutenlangen Flugmanövern geben die beiden Krähen jetzt auf und fliegen weg. Offenbar sind sie mit dem Ergebnis zufrieden. Denn durch die Störmanöver haben sie den Eindringling aus ihrem Revier vertrieben.Doch der Milan zieht jetzt weiter seine Kreise am Himmel, als ob nichts geschehen wäre. Doch es ist nicht immer so leicht wie es bei diesem Angriff war. Oft beteiligen sich nämlich mehrere Krähenpaare aus der Umgebung an der Verfolgungsjagd am Himmel. Dann muss auch ein Rotmilan zusehen, dass er rechtzeitig „die Kurve kriegt“.

 

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14 Comments

  1. Lieber Peter,
    was Du da beschreibst, habe ich von meinem Garten aus über dem Gänselberg schon beobachtet, da waren 5 Rabenkrähen beteiligt.

    • ich freu mich immer, die elegant segelnden Rotmilane beobachten zu können, wundere mich aber manchmal, dass er die Krähen scheinbar ignoriert und den nervösen Flatterern nicht mal „Bescheid sagt“, wer hier der Chef ist. 😉

    • Hallo, vielen Dank für Ihren Kommentar. Wenn Sie so etwas von Ihrem Garten aus beobachten können, haben sie viel Glück! Tatsächlich legen sich auch bei uns die Rabenkrähen mit allerhand Greifvögeln an. Und meist haben sie mit ihren Manövern auch Erfolg!

      Weiterhin auch viel Erfolg bei Ihren Naturbeobachtungen!

      Peter Weickgenannt

  2. Hallo Pascal,
    Danke für deinen Kommentar! Nein, normal ist das nicht. Auch 5 Rabenkrähen haben gegen einen gesunden Rotmilan keine Chance. Entweder war der Milan verletzt oder sonst krank. Milane sind so gute Flieger, dass sie auch mehreren Krähen ausweichen können. Dies ist der erste Fall, wo ich so etwas gemeldet bekomme!

    Nochmals vielen Dank
    Peter Weickgenannt

  3. Ich habe gestern beobachtet, wie 3 Rotmilane eine Krähe gejagt haben
    Die Krähe ging in Folge zu Boden. Ob durch Schnabel oder Kralle konnte ich nicht sehen. Hab ich noch nie SO beobachtet!!

  4. Von meinem Bürofenster schaue ich auf Felder und Wiesen und zwei sehr große Eichen. Eine steht mitten im Feld und wir immer von Krähen belegt. Jetzt aktuell sitzt ein Milan Paar drin. Das Weibchen wurde vorhin im Baum sitzend von einer Krähe genervt, die ihr immer weiter auf die Pelle gerutscht ist. Die Krähe ist jetzt erstmal weg, aber ich denke, die holt Verstärkung. Aber das ist echt der Hammer, die Milane fliegen dermaßen dicht am Haus vorbei

  5. seit Jahren füttere ich Greifvögel in meinem Garten. Dauernd kommt es zu Zusammenstösse zwischen Krähen und Greifvögel, wobei sie die Bussarde leicht vertreiben können, aber nicht die Rotmilane, die im Sturzflug auf den Futterplatz sausen und sich ihr Fressen im Flug holen. Leider sind dieses Jahr beide Rotmilane ‚verschwunden‘. Das ist so traurig, denn sie waren recht zutraulich und haben mich gekannt. Oft sind sie ganz in der Nähe auf einem Baum gesessen und wir haben uns gegenseitig angepfiffen. Wie schade, dass das jetzt vorbei ist.
    Warum die beiden wohl nicht mehr gekommen sind?

    • Hallo Frau Gröhbiel,
      vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem BLOG-Beitrag. Zunächst finde ich es ganz toll, dass Sie in Ihrem Garten Greifvögel füttern. Glückwunsch! Gerade während der Wintermonate haben es die Greifvögel recht schwer, ausreichend Nahrung zu finden. Und auch während des restlichen Jahres sind Futtergaben durchaus sinnvoll. Was Sie mit „ihren“ Rotmilanen erleben durften, ist außergewöhnlich. Ich kann es nachvollziehen, dass Sie jetzt traurig sind, dass diese tolle Beziehung derzeit nicht mehr besteht! Für das Ausbleiben der beiden Milane kann es ganz viele Gründe geben – bis dahin, dass ihnen etwas passiert ist. Aber wenn Sie weiterfüttern, kann es durchaus sein, dass sich neue Milane bei Ihnen einstellen. Denn – wenn Bussarde und Milane in ihrem Garten aufgetaucht sind – bedeutet das auch, dass sich das unter den Vögeln herumgesprochen hat, dass da eine lohnende Futterquelle existiert. Mit der Zeit kann sich dann das gleiche Beziehungs-Verhältnis einstellen wie Sie es gewohnt sind. Allerdings müssen Sie den Vögeln dafür etwas Zeit lassen und ihr Vertrauen gewinnen. Aber ein Futterangebot schafft Vertrauen. Eine Hoffnung bleibt aber noch: es kann sein, dass sie auf dem Zug waren und erst gegen Ende Mai bei Ihnen auftauchen werden…. Ich wünsche Ihnen alles Gute – und weiterhin viel Spass beim Beobachten und Füttern. Auch für mich sind Milane ganz tolle Vögel, die ich sehr mag – und von denen ich in meinem BLOG auch oft berichte.

      Ganz herzliche Grüße und ich wünsche Ihnen, dass alles gut wird.
      Peter Weickgenannt

      P.S.:
      Mich würde es interessieren, in welcher Gegend Sie leben und diese Beobachtung machen konnten. Ich vermute, dass es die Schweiz ist.

  6. Hallo,
    schön solch ein Verhalten der Vögel einmal auf Bildern zu sehen.
    Das erste Mal ist mir ein Milan vor zwei Jahren im Sommer aufgefallen, da er immer über unser Reihenhaus und die Gärten flog. Dieses Jahr kann ich ihn fast täglich beobachten, wie er ca. 10 Meter über uns seine Kreise zieht. Auch auf den nahegelegenen Feldern, aber auch in bebautem Gebiet (Industriegebieten) sehe ich mehrmals die Woche Schwarz- oder Rotmilane. Sehr leicht zu erkennen durch ihre Größe und den sichelförmigen Schweif (?). Ich wohne in Freiburg.
    Liebe Grüße
    Vincent

    • Hallo Vincent,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Tatsächlich ist es schön, wenn man solche Beobachtungen machen kann. Dabei ist es kein Zufall, dass man Milane über den Siedlungen und Städten sehen kann. Die Häuser heizen sich schnell auf und bieten eine tolle Thermik. Zudem gibt es in der Stadt viele Flächen, wo auch für Milane etwas abfallen kann. Ich wünsche Ihnen weiterhin tolle Beobachtungen in Freiburg und in Ihrer Umgebung. Zum Abschluss noch ein Kompliment an Sie: es gibt nicht sehr viele Menschen, welchen ein solches Verhalten auffällt!

      Herzliche Grüße
      Peter Weickgenannt

      • Hallo, liebe Wildtierfreunde! Seit über ein Jahr unterstützte ich mich ausreichenden, guten, artgerechten Futter und ausreichenden Wasser in 3. Hundenäpfe alle unseren schönen Wiltiere, Singvögel, Eichhörnchen und Igel. Ich wohne seit 15.Jahren auch in einer Großstadt Frankfurt am Main aber mit dem Glück in einer wundervollen, wunderschönen, ruhigen, naturbelassenen Gegend. Allein, dass ich das von ganzen Herzen mache ( aus einem sehr guten Grund ) haben sich zum ersten Mal hier Vögel angesiedelt, die auf der roten Liste stehen und der Bestand massiv zurück geht und jetzt habe auch ich sowie meine ganzen Nachbarn, Familien und unseren tollen Kindern was zu bestaunen, beobachten und können sich daran erfreuen und bauen hoffentlich eine wichtige Bindung zu unserer Natur + den Tieren auf ( die unsere Hilfe brauchen ) und das für die nächsten Jahrzehnte, den es ist unsere Zukunft. Letzte Woche sahs zum ersten Mal nach 15. Jahren ein Mäusebussard in unserer schönen, alten Linde mit einem Durchmesser von 30 Metern und heute Abend wollte er sich gerade auf die Höhe vom 2. Stockwerk wieder niederlassen und ich hätte ihn gerne auch ohne mein Fernglas genauer Beobachtet aber 3. Krähen haben ihn vertrieben. Meine Frage an Sie: Kann ich Futtertechnisch oder auch sonst irgendwie was machen, helfen, unterstützen….haben Sie, lukrative, effektive, persönliche Odeen und Vorschläge? Zum ersten Mal in meinem ganzen Leben habe ich das atemberaubende Glück von meinem Balkon aus, mit nicht mal einer Entfernung von 2. Metern solche Nahaufnahmen und Erinnerungen mit dem bloßen Auge haben und machen zu dürfen!!! ES ist ein unbeschreibliches Gefühl und ein bildhübscher, traumhafter VOGEL der mittlerweile zu meinen ganz anderen Lieblingsvogelarten zählt. Ich bin sehr STOLZ darauf, dass Er/Sie hierher gefunden hat und bin mir mehr als sicher + davon überzeugt…den Weg und die Gegend wunderbar, reichlich gedeckt mit so vielen Leckereien + ganz viel Liebe wiederkommt und sich eventuell + hoffentlich durchsetzt gegen die Krähen vielleicht auch zu zweit.

        Ganz liebe Grüße
        Alles Liebe + Gute

        • Hallo Frau Dunkel,
          vielen Dank für Ihren Kommentar. Zunächst muss ich mich für meine verspätete Antwort entschuldigen. Aber ich hatte in den vergangenen Tagen wenig Zeit. Und nun zu Ihrem Anliegen: Ich finde es ganz toll, was Sie in ihrer direkten Umgebung machen. Da machen Sie keinen Fehler! Dass Rabenkrähen auch Greifvögel wie den Mäusebussard oder Milane angreifen ist bekannt. Allerdings tun sie das vor allem, wenn die Greifvögel in ihrem Revier, in der Nähe eines ihrer Nester oder in der Nähe einer Futterquelle auftauchen. Offenbar hat der Mäusebussard Ihr regelmäßiges Angebot entdeckt – und kommt jetzt deswegen auch regelmäßig zu Ihnen. Glückwunsch, dass Sie dem Vogel so nahe kommen können! Das ist ein absolutes Privileg, das nicht viele Menschen geboten bekommen! Leider kann ich Ihnen keinen Ausweg aus Ihrer Situation anbieten. Denn die Natur hält sich an kein Drehbuch, das wir Menschen geschrieben haben. Freuen Sie sich über Ihre Situation – und füttern Sie weiter. Dies ist die beste Möglichkeit, dass Sie auch weiterhin regelmäßigen Besuch von Ihrem Gast erhalten. Mit den Krähen wird es mit Sicherheit weiter Probleme geben. Aber er dürfte so stark sein, dass er von denen nichts Schlimmes befürchten muss. Und wenn es den Krähen wieder einmal gelingt, ihn zu vertreiben, so wird er sicher wiederkommen, wenn die Nahrung knapp wird. Und da jetzt Herbst und Winter vor der Tür stehen, wird dies auch bald der Fall sein. Ganz herzliche Grüße – und weiterhin viel Freude beim Betrachten Ihres Lieblingsvogels!

          Peter

  7. Ich konnte soeben die beschriebenen Verhaltensweisen von Milan und zwei Krähen beobachten. 100%ig wie beschrieben. Da ist mir eine Frage durch den Kopf: Leben die Krähen nicht etwas gefährlich? Immerhin ist der Milan ein Raubvogel. Könnte es nicht sein, dass er den Krähen gegenüber das passive Verhalten durch Ausweichen und Weiterfliegen aufgibt und zu einem für die Krähen tödlichen Angriff übergeht? Sollte er doch hinkriegen, könnte man meinen

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