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Weidenmeisen zimmern ihre Nisthöhle selbst

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In einem Gehölz am Rande der Kraich steht dieser alte Kirschbaum, der schon einige „Besiedelungs-Spuren“ aufweist. So finden sich in seinem Stamm und an den Ästen zahlreiche verlassene Bruthöhlen, aber auch deutliche Hinweise, dass Braunfäule verursachende Pilze dem Baum schon schwer zugesetzt haben. Einige Äste drohen abzubrechen – und auch das obere Ende des Stammes liegt bereits am Boden. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – haben sich Weidenmeisen für diesen alten Kirschbaum als Brutplatz entschieden. Ein Astloch, von Moosen und Flechten umwachsen, wird jetzt so bearbeitet, dass es als Bruthöhle für die Weidenmeisen geeignet ist. Weidenmeisen leben meist  in feuchten bis sumpfigen Wäldern oder Gehölzen in der Nähe von Gewässern mit einem hohen Anteil morscher Bäume.Denn Weidenmeisen sind – neben den meisten einheimischen Spechtarten – die einzigen Singvögel, die ihre Höhlen weitgehend selbst zimmern.  Sie bauen ihre Bruthöhle nie in gesundes Holz; sie bevorzugen morsches und weiches Holz. Ab Ende Januar/Anfang Februar durchstreifen die Weidenmeisen ihr Revier und suchen nach einem geeigneten Baum, in den sie ihre Bruthöhle zimmern können. Ausnahmsweise ziehen sie ihre Jungen aber auch in Nistkästen oder verlassenen Spechthöhlen auf.Es ist jetzt Anfang April: Man sieht, dass an diesem Astloch das von Pilzen befallene  Material des morschen Stammes weggehackt wurde. Anschließend wurde der gesamte Einflugbereich sorgsam geglättet – und man kann erkennen, dass hier ein feineres Werkzeug verwendet wurde als ein Spechtschnabel. Zudem ist das Einflugloch nicht kreisrund, wie es ein Specht gezimmert hätte.Ein feines, relativ leises Klopfen lässt erkennen, dass sich da jemand in dem Astloch zu schaffen macht. Und tatsächlich erscheint eine Weidenmeise, deren schwarze Kopfplatte vom Holzstaub bepudert ist. Offenbar ist der Gr0ßteil der Bruthöhle schon gezimmert, lediglich der Einflugbereich wird noch nachgeglättet.Beide Altvögel sind am Bau der Nisthöhle beteiligt. Dies dauert etwa 11 – 13 Tage. Die Nisthöhle hat dann eine Tiefe von bis zu 16 cm erreicht.Es folgen immer wieder kleine Pausen; die Altvögel fliegen weg und setzen die Arbeit kurze Zeit später wieder fort. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.

Das folgende Video zeigt, wie ein Altvogel den Eingangsbereich der Höhle bearbeitet. Das Video kann auch im Vollbild-Modus betrachtet werden. Dazu das Symbol am rechten unteren Ende anklicken. Der Vollbildmodus wird mit der ESC-Taste oder dem nochmaligen Anklicken des Bildsymbols beendet.

Und schon wird Nistmaterial eingetragen. Allerdings fühlte sich der Altvogel gestört und flog mit dem Material wieder ab. Kurze Zeit später kehrte er dann zurück und brachte das  Material in die Nisthöhle. Die Brut konnte beginnen .. und sie war erfolgreich. (Bilder und Videos von 04/16; die Anzahl der ausgeschlüpften Jungvögel wurde nicht ermittelt)  Das eigentliche Nest wird vom Weibchen alleine gebaut. Ab Mitte April/Anfang Mai werden die ersten der 7-9 Eier gelegt und vom Weibchen alleine (bis 15 Tage) bebrütet. Die geschlüpften Jungvögel werden dann von beiden Eltern gefüttert.

 

 

Sie wird oft übersehen: Weidenmeise

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Die Weidenmeise gehört zur Familie der Meisen und ist im Kraichtal gewöhnlich in gewässerbegleitenden Hecken und Gehölzen anzutreffen; die Aufnahmen entstanden entlang der Kraich. Weidenmeisen sind meist flink und unstet unterwegs – und daher schwer zu beobachten. Jetzt im Februar beginnen schon die ersten Vögel mit der Paarbildung und der Suche nach einem geeigneten Baum für den Bau der Bruthöhle. Die Bruthöhle befindet sich  in dünnen Laubbäumen, die auch schon etwas von Baumpilzen geschädigt sein müssen. Weidenmeisen hacken ihre Nesthöhle selbst in die Stämme. Dabei zimmern sie ihre Bruthöhle nie in gesundes Holz. Sie sind allerdings leicht mit der Sumpfmeise zu verwechseln. Beide Arten kann man vor allem an ihrem Gesang unterscheiden. Aber auch in der Wahl des Lebensraumes gibt es deutliche Unterschiede: Weidenmeisen bevorzugen feuchte, sumpfige Gehölze mit einem hohen Anteil morscher Bäume. In trockenen Wäldern sind sie im Gegensatz zur Sumpfmeise kaum zu finden.  Sumpfmeisen kann man im Winter viel eher an Futterstellen beobachten als Weidenmeisen. Zudem dominieren Sumpfmeisen die Weidenmeisen und verdrängen sie oft aus ihrem Gebiet. Aber es gibt auch einige körperliche Merkmale, durch die man die „Zwillingsarten“ unterscheiden kann: Die Weidenmeise hat einen großen Kopf und einen kräftigen Nacken. Das Gefieder ist graubraun und schmutzigbeige. Die Kopfplatte ist mattschwarz (und nicht glänzend wie bei der Sumpfmeise) – und reicht bis weit in den Nacken hinein. Die Kopfseiten sind meist reinweiß. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist das helle Armschwingenfeld, das bei den zusammengelegten Flügeln sichtbar wird.Der schwarze Kinnfleck ist größer als bei der Sumpfmeise, obwohl es auch Sumpfmeisen gibt, die einen größeren Kinnfleck aufweisen als die Weidenmeise.Wie alle Meisen ernährt sich die Weidenmeise im Sommer vor allem von tierischer Kost; im Winter greift sie notgedrungen auf fettreiche pflanzliche Nahrung zurück. Dazu legt sie sich an geeigneten Stellen in ihrem Revier unter lockerer Baumrinde, Moospolstern und Flechten Nahrungsvorräte an, von denen sie sich im Verlauf des Winters ernährt. Sobald aber wieder Insekten, Spinnen und andere Kleintiere zur Verfügung stehen, greift sie darauf zurück.  Wenn Weidenmeisen oft zu einem bestimmten Baum oder Ast zurückkehren, ist zu vermuten, dass sich dort ein solches Nahrungsdepot befindet. Ab dem Spätsommer stellt sie ihre Ernährung auf Samen um; lediglich Spinnen werden ganzjährig gefressen.