Fragt man ältere Menschen im Kraichtal, so können viele von ihnen noch vom Wiedehopf erzählen, den sie in ihrer Kindheit im Kraichtal beobachten konnten. Er gehörte gewissermaßen zur „sommerlichen Vogelgesellschaft“. Dass er im Bewußtsein der Menschen eine Rolle gespielt hat, beweisen zahlreiche literarische und musikalische Vorlagen (Bei der „Vogelhochzeit“ reicht der Wiedehopf der Braut einen Blumentopf). Die Ursachen des Verschwindens des Wiedehopfes sind vielfältig; umso erfreulicher ist es, dass gerade in den letzten Jahren in verschiedenen Orten des Kraichtals der Wiedehopf mehrfach gesichtet wurde. Und nun scheint er endgültig ins Kraichtal zurückgekehrt zu sein.  Bei der Rückkehr des Wiedehopfes spielt es auch sicher eine große Rolle, dass es bei uns wieder wärmer geworden ist und es längere Schönwetterperioden gibt, so wie dies in den fünziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Fall war. In den vergangenen Jahrzehnten waren die Sommer oft verregnet und teilweise auch zu kalt. Das Lied  „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“  von Rudi Carell aus dem Jahre 1975 gibt die damalige Wetter-Situation recht treffend wieder.Nachdem er auch schon in den letzten Jahren gesichtet und auch an den verschiedensten Orten im Kraichtal gehört wurde, hat er auch in diesem Jahr wieder Junge aufgezogen. Offenbar findet er hier bei uns genügend geeignete Lebensräume, dass es Hoffnung gibt, dass er in den kommenden Jahren auch an anderen Stellen brüten wird. Passende Biotope gibt es bei uns genügend: Streuobstwiesen, Weiden, klein parzellierte, extensiv bewirtschaftete Flächen – und vor allem genügend Insekten auf Wiesen und Weiden, die nicht jede Woche gemäht werden. Auf der Suche nach Nahrung taucht er auch gelegentlich in Gärten und siedlungsnahen Gebieten auf. So wird es auch im nächsten Jahr sicher wieder einige Begegnungen mit diesem tollen Vogel geben. Besitzer von Gärten am Ortsrand und von Streuobstwiesen können viel dafür tun, dass uns der Wiedehopf im Kraichtal erhalten bleibt. So ist es toll, wenn alte Bäume mit Spechthöhlen erhalten bleiben. Es ist auch hilfreich, wenn auf Streuobstwiesen nicht alle 14 Tage gemäht wird. Das kommt sowohl der Pflanzen- als auch der Tierwelt zugute.So ist es ideal: ein Teil der Streuobstwiese ist gemäht – der Rest bleibt noch einige Zeit stehen. Dazu viele alte Bäume mit zahlreichen Nistmöglichkeiten.Das ist „Wiedehopf-Land“:  Wiesen mit alten Bäumen und Hecken, Mähwiesen; daneben blütenreiche Wiesen, auf denen sich viele Insekten aufhalten können. Klein strukturierte Landschaften mit Hecken im Wechsel mit Feldern, das mögen Wiedhopfe – und mit ihnen viele andere Tiere, von denen wir hoffen, dass sie im Kraichtal bleiben. Und wenn er solche Verhältnisse vorfindet – und es auch noch warm genug ist – und genügend Insekten vorhanden sind, ja dann lässt sich auch ein Wiedehopf nicht mehr lange bitten. Und schon hört man ihn im Frühjahr an den verschiedensten Stellen im Kraichtal rufen. Das bedeutet, dass diese Lebensräume für den Vogel geeignete Brutgebiete sind. Jetzt muss er nur noch eine Partnerin finden. Und das ist derzeit mancherorts (noch) schwierig. Doch wenn auch das klappt, ….dann kann man auch in Zukunft im Kraichtal an einigen Orten solche Beobachtungen machen.

Wenn Sie das kurze Video in Voll-Ansicht betrachten, können sie am Anfang in der oberen Bildmitte leichter erkennen, wie ein Jungvogel am Eingang der Nisthöhle die Altvögel erwartet. Der Nesteingang ist allerdings durch Efeublätter versteckt.

Und nun noch ein paar Bilder von diesem Jahr:Ein Altvogel hat gerade die Jungen gefüttert und fliegt gleich ab. Der Eingang der Bruthöhle ist mit Efeublättern bewachsen; so besteht keine gute Sicht auf den Höhleneingang. Beim fütternden Altvogel kann man aber die aufgestellte Federhaube auf dem Kopf entdecken. Auch die schwarz-weiß gestreiften Flügel werden deutlich sichtbar.

Inzwischen sind die Jungvögel ausgeflogen und haben ihre Umgebung erkundet. Mit jedem bei uns geschlüpften Jungvogel steigt die Chance, dass sich die Art im Kraichtal ausbreiten wird. Bald ist das „Wiedehopf-Jahr“ bei uns im Kraichtal vorbei. Dann werden alle in ihre Überwinterungsgebiete in Afrika fliegen – und das Kraichtal hoffentlich in guter Erinnerung behalten.