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Achtung: Sie sind wieder unterwegs!

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Mit den ersten wärmeren Regen-Nächten des Jahres beginnt die alljährliche Wanderung der Amphibien. Diese sind für ihre Entwicklung dringend auf Wasser angewiesen. Denn bei dieser Tiergruppe werden die Eier ins Wasser abgelegt, wo sie sich im Laufe mehrerer Wochen aus dem Laich zu fertigen Froschlurchen (Frösche, Kröten,  Unken) oder Schwanzlurchen (Molche, Feuersalamander) entwickeln. Danach verlassen die meisten Arten die Gewässer, in denen sie sich entwickelt haben und verbringen den größten Teil des Jahres an Land. Auch die Alttiere verlassen nach dem Ablaichen das Laichgewässer und verteilen sich auf die umliegenden Felder und Wälder. Wenn sie im nächsten Jahr ablaichen wollen, kehren sie wieder zum gleichen Gewässer zurück. Mit den ersten warmen Regennächte starten sie den Weg zu „ihrem“ Gewässer. Und da beginnt das Problem. In unserer dichtbesiedelten Landschaft, die von zahlreichen Verkehrswegen durchschnitten ist, fordert dieser Weg jährlich unzählige Opfer. Deswegen werden an den gefährdeten Stellen von Naturfreunden „Krötenzäune“aufgestellt, welche die wandernden Tiere am Weiterkommen hindern. Diese „Krötenzäune“ sind Fangvorrichtungen für alle Tiere, welche den Zaun überwinden wollen. Bei  ihrer Suche nach einem Weg zu ihrem Laichgewässer fallen die Lurche in Sammeleimer, die in regelmäßigem Abstand  vor dem Zaun vergraben sind. Jeden Morgen kommen dann freiwillige Helfer, welche die Eimer leeren und die eingesammelten Lurche und anderen Tiere in Sicherheit bringen.  Dies muss zuverlässig täglich geschehen, um die in den Sammeleimern befindlichen Tiere nicht zu gefährden.Hier ist es ein Bergmolch, der in einem der Sammeleimer gefangen war. Im Kraichtal werden die Lurche jeweils in dem Gewässer, welches die Tiere aufsuchen wollten, ausgesetzt. Dort können sie sich dann verpaaren und ablaichen. Übrigens sind die Helfer im Kraichtal gut vernetzt; auch aus den Nachbargemeinden haben sich Naturfreunde gefunden, welche diese Aktion schon seit Jahren ehrenamtlich unterstützen.Entlang der stark befahrenen Strecke Bretten-Kraichtal befindet sich der beschriebene Krötenzaun. Er erstreckt sich im Bereich des angrenzenden Waldes bis zur Schnellbahntrasse. Gegenüber – auf der anderen Seite der Schnellstraße und Bahnstrecke befindet sich in ein paar Hundert Meter Entfernung in einem Naturschutzgebiet das angestrebte Ziel der Lurche.Solange der Zaun aufgebaut ist, müssen die vergrabenen Eimer täglich kontolliert und die darin gefangenen Tiere herausgenommen und in Sicherheit gebracht werden. Dies muss bei jedem Wetter geschehen, damit die gefangenen Tiere nicht verhungern oder durch sonstige Umwelteinflüsse geschädigt werden. Zum Glück gibt es noch Menschen, die diese wichtige Aufgabe ehrenamtlich erfüllen.Jeder Eimer wird kontrolliert und die darin entdeckten Tiere in Sammeleimer verbracht, da sie sich aus den im Boden vergrabenen Plastikeimern nicht selbständig befreien können.Dies ist ein Teil der Ausbeute der ersten Sammeleimer. Er enthält mehrere Erdkröten; erkennbar an der „warzigen Haut“.  Die Mehrzahl dieser Kröten sind die schlanken Männchen; im Vordergrund befindet sich ein lachbereites Weibchen (braun), das offensichtlich viele Eier ablegen wird, wenn es in das Gewässer kommt.Auch in diesem Eimer befinden sich einige Erdkröten. Die Färbung der Tiere ist unterschiedlich; sie reicht von olivgrün über gelbliche bis ockerfarbige und erdbraune Färbungen.Aber auch Laufkäfer, die im Nahrungskreislauf eine wichtige Rolle als Bekämpfer von Schädlingen spielen, finden sich immer wieder in den Sammeleimern. Daneben gelangen auch Spinnen und gelegentlich auch Spitzmäuse und andere Kleinsäuger in die Sammeleimer.Auch dieses Bergmolch-Weibchen befand sich in einem Sammeleimer.Hier sind drei Bergmolche zu sehen: ein Männchen (links) mit einem Kamm auf dem Rücken  und 2 Bergmolch-Weibchen (Mitte/rechts) Jetzt geht es mit den gefüllten Sammeleimern zum Laichgewässer. Ein ablaichbereites Erdkröten-Weibchen wird gleich im Laichgewässer ausgesetzt. Man sieht ihm an, dass es jede Menge Eier ablegen wird.Hier im See sind sie jedenfall vor dem Straßenverkehr in Sicherheit. Die Chance, dass sie hier erfolgreich ablaichen können ist groß.Die Anzahl der hier im See ausgesetzten Amphibien dürfte auch  in diesem Jahr mehrere Hundert Tiere umfassen. Denn in diesem Jahr wurden in den ersten Tagen schon über 200 Tiere umgesiedelt. Den größten Anteil werden die Erdkröten ausmachen, dazu kommen mit großer Sicherheit Springfrösche und Grasfrösche und verschiedene Molcharten. Als „Beifänge“ sind jedenfalls wieder eine Unmenge Laufkäfer, Spinnentiere, aber auch Spitzmäuse, die sich von Insekten ernähren, zu erwarten. Je nach Wetterlage und der Zahl der eingesammelten Lurche endet die Sammelaktion Ende März/Mitte April.

Wer sich nun fragt: Warum dieser gesamte Aufwand? Darauf gibt es mehrere Antworten. Hier aber der wichtigste Grund: Weil gerade Amphibien in der Kulturlandschaft, auf Äckern und Feldern, auf Wiesen und sogar in unseren Hausgärten einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Forst- und Agrarschädlingen leisten, sind sie eigentlich für uns alle unverzichtbar. Deswegen  sind auch all diese Arten bei uns in Deutschland geschützt. Zudem sollten wir es uns nicht weiterhin leisten, dass Jahr für Jahr unzählige dieser Tiere dem Straßenverkehr zum Opfer fallen. Übrigens: Wer ganzjährig Frösche und Kröten schützen will, kann dies ohne großen Aufwand tun. Arbeiten Sie zum Beispiel in ihrem Hausgarten mit möglichst wenig Pflanzenschutzmitteln. Räumen Sie Ihren Garten nicht akribisch auf und bieten damit Kleintieren Versteckmöglichkeiten wie Laub oder Reisig. Und wer mit dem Auto unterwegs ist,  sollte von Februar bis Ende März in Regennächten auf Wirtschaftswegen oder Nebenstrecken in Gewässernähe auf Lurche achten, welche beim Überqueren der Straße eine Pause eingelegt haben, weil sie sich auf dem Asphalt etwas aufwärmen wollen: Also, wenn Sie dieses Hinweisschild sehen, wissen Sie, worum es hier geht … Und es gibt glücklicherweise einige Helfer, welche dieses Projekt ehrenamtlich unterstützen. Und während der Winterferien sind daran auch manchmal junge „Krötensammler“  beteiligt.Im Sammeleimer befindet sich neben den Erdkröten auch wieder ein Bergmolch – und eine Spinne. Und die Helfer wissen: mit jedem geretteten Tier bleibt ein Stück der Natur bei uns im Kraichtal erhalten. So leistet diese freiwillige – leider immer noch oft belächelte Arbeit – einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung vieler Arten, die für unser Kraichtal eine bedeutende Rolle spielen.

*alle in diesem Beitrag abgebildeten Personen haben ihr Einverständnis zur Veröffentlichung der Bilder in meinem Blog gegeben.

Sie wandern wieder …

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Jedes Jahr wird im Frühjahr am Rand einer sehr stark befahrenen Straße (Kraichtal-Bretten) ein „Krötenzaun“ aufgebaut. Manchmal kann man morgens auch Menschen beobachten, die sich mit Eimern an diesem Kunststoffzaun zu schaffen machen. Warum das Ganze? Die meisten einheimischen Amphibien verbringen den Sommer, den Herbst und den Winter im Wald oder auf den Feldern. Dort suchen sie so lange wie möglich nach Nahrung und nach einem frostsicheren Platz, wo sie die Winterstarre verbringen können. Im Frühjahr drängt es sie aber unwiderstehlich während der Paarungszeit zu dem Laichgewässer, in dem sie sich selbst einmal entwickelt haben, zurück. Denn alle Amphibien brauchen zu ihrer Entwicklung Wasser. Da viele unserer Straßen die Wanderwege der Amphibien durchschnitten haben, sind diese gezwungen, selbst sehr stark befahrene Straßen zu überqueren. Da Straßen auch nachts noch eine Menge Wärme abstrahlen können, machen viele Amphibien eine Pause auf der Fahrbahn, anstatt sie zügig zu überqueren. Die Folge ist, dass dadurch in manchen Gebieten ein Großteil der paarungsbereiten Lurche ums Leben kommt. Überfahrende Frösche und Kröten gehören deswegen in dieser Zeit leider immer noch zum morgendlichen Straßenbild.

Um dies zu verhindern wurden schon vor Jahrzehnten von Umweltverbänden oder Privatpersonen Gruppen gebildet, die es sich zur Aufgabe machen, durch den Aufbau von „Krötenzäunen“, deren tägliche Betreuung – und das Aussetzen der eingesammelten Tiere in geschützten Gewässern zuverlässig über Wochen oder sogar Monate zu übernehmen. Tatsächlich ist es meiner Meinung nach nur diesen Gruppen zu verdanken, dass es bei uns noch verschiedene Amphibienarten und Kleintiere gibt.

Im Kraichtaler Ortsteil Gochsheim organisiert Thomas Bratzel schon seit vielen Jahren diese bewundernswerte Aktion. Hier sieht man ihn mit seinem Sammeleimer, in dem sich im Laufe der Aktion einige Tiere befinden werden. Natürlich gehört er selbst zu den Menschen, die sich auch vor Ort um das Überleben der Lurche kümmern. Glücklicherweise ist es ihm gelungen viele Menschen in dieses jährliche Projekt einzubinden. So helfen Verwandte, Freunde, aber auch Menschen aus anderen Ortschaften, z.B. Gondelsheim, ein verlässliches Netz zu knüpfen. Denn der Zaun muss auf der gesamten Länge unbedingt täglich (und zwar recht früh morgens – und bei jedem Wetter) kontrolliert werden, damit die in den Eimerfallen gefangenen Tiere befreit, umgesiedelt oder freigelassen werden. Was viele nicht wissen: In den Eimerfallen befinden sich oft nicht nur Lurche. An manchen Tagen finden sich Spitzmäuse, Feldmäuse oder Insekten wie verschiedene Laufkäfer-Arten. Werden die Eimer zu spät geleert, kann es vorkommen, dass zum Beispiel die Spitzmäuse in einer einzigen Nacht verhungern, weil diese zum Überleben ständig Nahrung brauchen.

In diese Eimerfalle ist eine Feldmaus hineingeraten! Gleich wird sie befreit werden (mit Handschuhen natürlich!)

Beim Aufbau des Zauns helfen jedes Jahr Mitglieder der Jugendfeuerwehr Gochsheim: Ein tolles Signal von jungen Menschen für den Umweltschutz! Und der Aufbau macht Mühe: die Plastikwand spannen, die Träger einbauen und im Boden verankern, in regelmäßigen Abständen Eimerfallen im Boden vergraben – und das Ganze nach ein paar Wochen wieder abbauen. Die Eimer haben natürlich durchlöcherte Böden, damit die gefangenen Tiere während der Nacht nicht im möglichen Regen ertrinken können. Ein Blick in den Sammeleimer zeigt, welche Tiere sich schon nach kurzer Zeit dort befinden: Erdkröten und Springfrösche.

Was aber noch gefunden wurde:

Laufkäfer

… und eine Spitzmaus!

eine Feldmaus wird freigelassen…

Wer diese Aktionen belächelt, sollte sich klarmachen, dass – mit Ausnahme der Feldmaus – alle abgebildeten Tiere eine „feste Planstelle“ zur Bekämpfung von Schädlingen im Kreislauf der Natur haben. Das sind die heimlichen Helfer der Landwirtschaft, die das ganze Jahr über sehr effektiv an dieser Aufgabe arbeiten. Diese „original“  biologische Schädlingsbekämpfung kann in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen –  wir müssen sie durch unser Handeln aber auch möglich machen.

Helfer aus Gondelsheim am Krötenzaun haben neben Erdrköten auch Grasfrösche im Eimer.

Aber auch die Familie und Kinder von Bekannten und Freunden helfen mit, die in den Eimern gefangenen Tiere umzusiedeln. Und jeden Tag gibt es unterschiedliche Funde in den Eimern: