Die Weinbergschnecke gehört innerhalb der Weichtiere zur Gruppe der Landlungen-Schnecken und zur Familie der Schnirkelschnecken. Jeder hat sie sicher schon einmal gesehen, wenn sie mit ihrem  „Haus“ auf dem Rücken über „Stock und Stein“ kriecht. Man begegnet ihr in Wäldern und Wegrändern, Hecken und Gebüschen und überall dort, wo es offene Landschaften gibt, die nicht zu intensiv bewirtschaftet werden. Und trotzdem wissen viele von uns kaum etwas von ihr: Sie kann mehrere Jahre alt, bis zu 10 cm lang und ungefähr 30 g schwer werden. Der Name „Weinbergschnecke“ sagt es schon: Sie liebt die Wärme. Deswegen ist sie bei uns im Kraichtal  besonders häufig anzutreffen, denn neben dem Klima gibt es für sie bei uns auch noch im Überfluss, was sie unbedingt braucht: Kalk. Diesen findet sie in unseren kalkhaltigen Böden oder in kalkhaltigem Gestein. So kann sie auch ein stabiles Schneckenhaus aufbauen und Kälte- und Trockenphasen überstehen. Es ist Ende März. So kann man jetzt in Hecken oder entlang von heckenreichen Wegrändern Weinbergschnecken entdecken, die sich noch in Kältestarre befinden. Im Spätherbst hat sie sich eingegraben und ihr Gehäuse mit einem stabilen Kalkdeckel verschlossen. Der Stoffwechsel wird heruntergefahren und der Kalkdeckel schützt sie dabei vor Frost und Austrocknung. Im Frühjahr kann man dann auch leere Schneckenhäuser und die Kalkdeckel finden. Die Kalkdeckel stammen von Schnecken, welche die Kältestarre beendet haben. Nach dem Ende des Winters und der Trockenzeiten wird der Deckel abgestoßen. In kalkarmen Gebieten wird er teilweise verspeist.  Bei gutem Kalkvorkommen bleibt der Deckel dagegen liegen. Nach Beendigung der Kälte- und Trockenstarre ist dann zunächst Fressen angesagt, damit die Energiereserven wieder aufgefüllt werden können.Das Bild zeigt Gehäuse der Weinbergschnecke und zwei Kalkdeckel, mit denen sie im Winter – und im Sommer während der Trockenphasen – ihr Gehäuse verschließt. An der Dicke der Deckel kann man erkennen, dass diese Schnecken genügend Kalk zum Bau zur Verfügung hatten. Übrigens: Die meisten Schneckenhäuser sind rechts gedreht. Nur ein Schneckenhaus unter mehreren Tausend Gehäusen ist nach links gedreht. Schnecken mit einem solchen „linksgedrehten“ Gehäuse nennt man „Schneckenkönig“.Schon seit frühen Zeiten wird sie  – nicht nur in Frankreich und anderen Ländern – sondern auch bei uns verspeist. In manchen Gegenden  wird sie deswegen auch als „Schwäbische Auster“ bezeichnet.  Obwohl sie bei uns im Kraichtal noch häufig zu sehen ist, geht ihre Anzahl deutlich zurück. Deswegen – und auch das wissen nur wenige – steht sie in Deutschland unter Naturschutz und gilt als „besonders geschützte Art“.  Die meisten Schnecken, welche heute in den verschiedensten Ländern tonnenweise auf den Tellern landen, werden nicht der Natur entnommen – sondern sie stammen aus professionellen Schneckenfarmen. Die Weinbergschnecke leidet unter dem Ruf der Nacktschnecken und wird oft rigoros aus unseren Gärten entfernt. Das ist eigentlich nicht nötig: Im Gegensatz zu manchen Nacktschnecken  richten sie in unseren Gärten keinen nennenswerten Schaden an. Sie bevorzugen welkes und trockenes Pflanzenmaterial und Algen, die sie mit ihrer Raspelzunge – die ca. 40 000 Zähnchen aufweist – abweidet.Der Körper der Schnecke besteht aus dem Kopf, dem Fuß, dem Mantel und dem Eingeweidesack , der sich im Inneren des Gehäuses befindet. Zur Verringerung des Wasserverlustes produziert die Schnecke Schleim, den sie auch zur Abwehr von Fressfeinden einsetzt. Der Schleim dient auch zur Fortbewegung: Auf ihm bewegt sich die Schnecke und hinterlässt eine deutliche Schleimspur.Der Kopf der Schnecke trägt die auffallenden Fühler. Mit den oberen Fühlern kann sie sehen. Auf jedem der oberen Fühler befindet sich ein Auge. Sie kann mit den obern Fühlern aber auch riechen. Mit den unteren Fühlern kann sie tasten und schmecken. Schnecken können nicht hören. Hier sieht man deutlich die Augen als schwarze Punkte in den oberen Fühlern. Mit ihnen kann sie Hell-Dunkel wahrnehmen und die Richtung des einfallenden Lichts bestimmen. Die Augen der Weinbergschnecke liefern aber nur ein unscharfes Bild, da das Auge keine Linse hat. Trotzdem kann sie Hindernissen ausweichen. Hier bearbeitet die Schnecke gerade ein dünnes, trockenes Rindenstück mit ihrer Raspelzunge. So findet man sie auch oft an Wegrändern, wo sie Algenbeläge vom Untergrund abweidet.Im Bereich des unteren Randes des Schneckenhauses befindet sich die Öffnung der Atemhöhle. Durch die zahlhreichen kleinen Blutgefäße, die sich in der Atemhöhle befinden, kann Sauerstoff aus der Luft aufgenommen werden. Leichte Beschädigungen am Haus kann die Schnecke selbst reparieren.

Bei Störungen zieht sich die Weinbergschnecke schnell in ihr Haus zurück. Je nach Situation verlässt sie dann ein paar Minuten später wieder ihr Gehäuse.

Wer behauptet, dass Schnecken „kriechen“, der hat noch nie eine Schnecke in der Bewegung beobachtet. Das ist kein „Kriechen“ sondern ein „ruckelfreies“ Gleiten. Bewirkt wird dies durch die zahlreichen Muskeln in ihrem kräftigen Fuß. Hier kann man sehen, wie gleichmäßig sich eine Weinbergschnecke im „Schneckentempo“ langsam, aber stetig fortbewegt. Dies wird vor allem durch die von ihr gelegte Schleimspur möglich, die sie vor Verletzungen durch scharfe und scharfkantige Gegenstände bewahrt. Im Schneckentempo schafft sie etwa 7 cm pro Minute. In einer Stunde kann sie also bis 4,2 m zurücklegen. Die Geschwindigkeit hängt von der Lufttemperatur ab. Zudem können die Schnecken sehr gut klettern. Dies gilt auch für glatte Steine und Mauern. Auch hier ist ihr Schleim als Haftmittel sehr nützlich.An trockenen und heißen Tagen kann man sie auch an Mauern oder auf Steinen beobachten, wo sie geschützt vor der Sonneneinstrahlung rastet. Manchmal bildet sie dann auch eine pergamentartige Haut aus, die das Austrocknen verhindern soll. Bei länger anhaltender Trockenheit wird diese Haut allerdings durch eine Kalkplatte ersetzt, mit der sie das Gehäuse verschließt. Dann fällt sie in Trockenstarre.