Jedes Jahr wird im Frühjahr am Rand einer sehr stark befahrenen Straße (Kraichtal-Bretten) ein „Krötenzaun“ aufgebaut. Manchmal kann man morgens auch Menschen beobachten, die sich mit Eimern an diesem Kunststoffzaun zu schaffen machen. Warum das Ganze? Die meisten einheimischen Amphibien verbringen den Sommer, den Herbst und den Winter im Wald oder auf den Feldern. Dort suchen sie so lange wie möglich nach Nahrung und nach einem frostsicheren Platz, wo sie die Winterstarre verbringen können. Im Frühjahr drängt es sie aber unwiderstehlich während der Paarungszeit zu dem Laichgewässer, in dem sie sich selbst einmal entwickelt haben, zurück. Denn alle Amphibien brauchen zu ihrer Entwicklung Wasser. Da viele unserer Straßen die Wanderwege der Amphibien durchschnitten haben, sind diese gezwungen, selbst sehr stark befahrene Straßen zu überqueren. Da Straßen auch nachts noch eine Menge Wärme abstrahlen können, machen viele Amphibien eine Pause auf der Fahrbahn, anstatt sie zügig zu überqueren. Die Folge ist, dass dadurch in manchen Gebieten ein Großteil der paarungsbereiten Lurche ums Leben kommt. Überfahrende Frösche und Kröten gehören deswegen in dieser Zeit leider immer noch zum morgendlichen Straßenbild.

Um dies zu verhindern wurden schon vor Jahrzehnten von Umweltverbänden oder Privatpersonen Gruppen gebildet, die es sich zur Aufgabe machen, durch den Aufbau von „Krötenzäunen“, deren tägliche Betreuung – und das Aussetzen der eingesammelten Tiere in geschützten Gewässern zuverlässig über Wochen oder sogar Monate zu übernehmen. Tatsächlich ist es meiner Meinung nach nur diesen Gruppen zu verdanken, dass es bei uns noch verschiedene Amphibienarten und Kleintiere gibt.

Im Kraichtaler Ortsteil Gochsheim organisiert Thomas Bratzel schon seit vielen Jahren diese bewundernswerte Aktion. Hier sieht man ihn mit seinem Sammeleimer, in dem sich im Laufe der Aktion einige Tiere befinden werden. Natürlich gehört er selbst zu den Menschen, die sich auch vor Ort um das Überleben der Lurche kümmern. Glücklicherweise ist es ihm gelungen viele Menschen in dieses jährliche Projekt einzubinden. So helfen Verwandte, Freunde, aber auch Menschen aus anderen Ortschaften, z.B. Gondelsheim, ein verlässliches Netz zu knüpfen. Denn der Zaun muss auf der gesamten Länge unbedingt täglich (und zwar recht früh morgens – und bei jedem Wetter) kontrolliert werden, damit die in den Eimerfallen gefangenen Tiere befreit, umgesiedelt oder freigelassen werden. Was viele nicht wissen: In den Eimerfallen befinden sich oft nicht nur Lurche. An manchen Tagen finden sich Spitzmäuse, Feldmäuse oder Insekten wie verschiedene Laufkäfer-Arten. Werden die Eimer zu spät geleert, kann es vorkommen, dass zum Beispiel die Spitzmäuse in einer einzigen Nacht verhungern, weil diese zum Überleben ständig Nahrung brauchen.

In diese Eimerfalle ist eine Feldmaus hineingeraten! Gleich wird sie befreit werden (mit Handschuhen natürlich!)

Beim Aufbau des Zauns helfen jedes Jahr Mitglieder der Jugendfeuerwehr Gochsheim: Ein tolles Signal von jungen Menschen für den Umweltschutz! Und der Aufbau macht Mühe: die Plastikwand spannen, die Träger einbauen und im Boden verankern, in regelmäßigen Abständen Eimerfallen im Boden vergraben – und das Ganze nach ein paar Wochen wieder abbauen. Die Eimer haben natürlich durchlöcherte Böden, damit die gefangenen Tiere während der Nacht nicht im möglichen Regen ertrinken können. Ein Blick in den Sammeleimer zeigt, welche Tiere sich schon nach kurzer Zeit dort befinden: Erdkröten und Springfrösche.

Was aber noch gefunden wurde:

Laufkäfer

… und eine Spitzmaus!

eine Feldmaus wird freigelassen…

Wer diese Aktionen belächelt, sollte sich klarmachen, dass – mit Ausnahme der Feldmaus – alle abgebildeten Tiere eine „feste Planstelle“ zur Bekämpfung von Schädlingen im Kreislauf der Natur haben. Das sind die heimlichen Helfer der Landwirtschaft, die das ganze Jahr über sehr effektiv an dieser Aufgabe arbeiten. Diese „original“  biologische Schädlingsbekämpfung kann in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen –  wir müssen sie durch unser Handeln aber auch möglich machen.

Helfer aus Gondelsheim am Krötenzaun haben neben Erdrköten auch Grasfrösche im Eimer.

Aber auch die Familie und Kinder von Bekannten und Freunden helfen mit, die in den Eimern gefangenen Tiere umzusiedeln. Und jeden Tag gibt es unterschiedliche Funde in den Eimern: