Wer die Natur liebt, der ist auch bereit, einiges zu ihrem Schutz zu unternehmen. Liebe zur Natur verlangt aber Begegnungen mit der Natur. Wie soll man eine Natur lieben, die man nur vom Fernsehen her kennt?  Es gibt wenig Gelegenheiten, gezielte Begegnungen zwischen Wildtieren  und dem Menschen herbeizuführen. Die Vogelfütterung ist eine solch hervorragende Möglichkeit. Allein die emotionale Seite dieser Begegnungen rechtfertigt schon die Fütterung. So ist die Reaktion von Kindern, welche die Vögel an „ihrem Futterhäuschen“ beobachten, eindeutig.  Diese Vögel werden zu „ihren Vögeln“ und werden genau beobachtet. Das durch diese Begegnungen geweckte Interesse und die Neugier, mehr über „ihre Vögel“ zu erfahren, bilden eine erste Basis für die mögliche, spätere Naturliebe.

Es ist längst durch verschiedene wissenschaftliche Studien belegt, dass die Fütterung von Vögeln auch während des gesamten Jahres nicht nur sinnvoll sondern sogar in vielen Fällen notwendig ist. Dies liegt daran, dass es viele der benötigten Futterquellen oft nicht mehr in ausreichender Zahl gibt. Früchte tragende Hecken verschwinden, Feuchtgebiete werden trocken gelegt – und wichtige Blütenpflanzen sind oft auf kleine Restvorkommen beschränkt. Dies wirkt sich vor allem auf die Insekten-Population, aber auch auf die verfügbare Futtermenge aus. Glücklicherweise hat ein Umdenken begonnen. Mit der Anpflanzung von Zwischenfrucht-Kulturen und verschiedenen Blühmischungen entstehen auf den Feldern wieder vermehrt Nahrungsquellen für Insekten, Vögel und andere Tiere.

Wenigstens ist die Winterfütterung bei uns nicht mehr umstritten. Wichtig ist aber vor allem, dass die angebotenen Futterstellen immer mit Futter befüllt werden, denn die Vögel verlassen sich darauf, wenn sie die Futterstelle erst einmal entdeckt und angenommen haben. Auch dass die Futterstellen vor Regen und Schnee geschützt werden, ist wichtig.  Und dass eine Futterstelle auch gesäubert werden muss, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben.   Auch das Futterangebot sollte so gewählt werden, dass möglichst viele Vogelarten davon profitieren können. Die Artenvielfalt, die sich dann an solchen Futterstellen einstellt, kann beachtlich sein. Futtersilos, Meisenknödel, Sonnenblumen- und Erdnusskerne oder ganze Erdnüsse samt Schale, selbst hergestelltes Futter aus Rindertalg und Haferflocken – oder Körnersaaten für Finken: da ist vieles möglich. Wer nicht selbst Hand anlegen will – oder kann, der findet im Fachhandel genügend Angebote und eine gute Beratung. Darüber hinaus gibt es leicht zu lesende, verständlich geschriebene Fachliteratur zur Vogelfütterung  (z.B.: „Vögel füttern, aber richtig“; Prof. Dr. Peter Berthold, Gabriele Mohr, Vogelwarte Radolfzell; Kosmos Verlag)

Es muss auch kein „Landhaus“ im norddeutschen oder bayerischen Stil sein, ein selbstgezimmertes Futterhaus tut es auch. Auch hier gilt: die Funktion ist wichtiger als das Design. Wer sich das nicht zutraut oder nicht die notwendigen Werkzeuge hat, für den gibt es  im Handel ebenfalls genügend Auswahl an fertigen Futterstellen.

Im Fall des Titelbildes handelt es sich um ein selbst gebasteltes Futterhaus. Es befindet sich in einer Wochenend-Siedlung in Gochsheim, umgeben von Streuobstwiesen. Im Inneren ist eine Futterschale angebracht, die leicht entnommen, gereinigt und wieder befüllt werden kann. Was diese Futterstelle so sympatisch macht, sind die Materialien, die größtenteils Naturmaterialien aus der Streuobstwiese sind. Auf diesem Grundstück, wo sich neben dem abgebildeten Futterhaus noch weitere Futterstellen befinden,  wurden diese von den folgenden Vogelarten regelmäßig besucht: Blaumeisen, Kohlmeisen, Kleiber, Grünfinken, Feldsperlinge, Kernbeißer, Goldammern, Buntspechte, Mittelspecht, Amseln, Rotkehlchen, Buchfinken, Stare, eine Elster und sogar ein Eichelhäher. Die folgenden Bilder zeigen einen Mittelspecht im Futterhaus.

Aber auch einfallsreiche  „Ingenieurskunst“ ist im Kraichtal zu finden: bei der Sternwarte Oberöwisheim steht eine beindruckende Futterstelle, die aus meiner Sicht hervorragend ist: Wettersicher und aus Alltags-Materialien zusammengebastelt. „Hochachtung!!!“ Da hat sich jemand Gedanken gemacht, wie man Vögel richtig füttern kann! Einfach Genial!!!

Diese „wartungsarme“ Futterstelle muss auch nicht jeden Tag befüllt oder gesäubert werden. Da die Vögel von der Sitzstange aus das Futter entnehmen können, bleiben Verschmutzungen durch Kot weitestgehend aus.

Geschützt vor Wind und Regen: ein vorbildliches Futtersilo! Und es wird angenommen – und nicht nur von der Kohlmeise: Bilder von 02/17 Wer dieses Futtersilo nachbauen möchte, kann sich unter folgendem Link die Bauanleitung ansehen: www.sternwarte-kraichtal.de/vogel-futtersilo.html . Überhaupt: wer die Sternwarte in Oberöwisheim noch nicht kennt, der sollte sie unbedingt einmal besuchen:

 

Aber: einfache Meisenknödel tun es auch:

Hier ist gut zu sehen, wie Spechte ihren Schwanz als Stütze einsetzen.

Haussperlinge und Buntspecht am Meisenknödel