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„Specht-Schmiede“

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Wenn Spechte Nüsse knacken –  oder die Schalen von Sämereien entfernen wollen, wenden sie eine einzigartige Technik an. Sie nützen kleine Spalte, Löcher oder Ritzen in der Baumrinde oder im Stamm, um die Nüsse oder Sämereien dort einzuklemmen – und diese anschließend mit gezielten Schnabelhieben zu öffnen. Dazu erweitern sie die Unebenheiten, Risse oder Löcher so, dass das gefundene Objekt genau hineinpasst  und festgeklemmt werden kann. Genauer gesagt, hat die „Spechtschmiede“  die gleiche Funktion wie der Amboss eines Schmieds. Und weil Spechte, vor allem die Buntspechte dieses Verfahren perfektioniert haben, entstand der Name „Spechtschmiede“. Dabei wird die Nuss durch Bearbeitung der „Schmiede“ so fixiert, dass sie auch bei heftigen Schnabelhieben fest sitzt und sich so von der jeweiligen Schalenhülle trennen lässt.

Das Buntspechtweibchen hat eine Walnuss gefunden und diese zu einem benachbarten Apfelbaum getragen. Dort gibt es bereits eine „Spechtschmiede“.

Eine Kohlmeise hat dies beobachtet und wartet schon mal auf wegfliegende Frucht-Teile.

Das Buntspechtweibchen verjagt sie.

Noch ist die Nuss nicht fixiert. Das Weibchen dreht sie immer wieder und bearbeit die Höhlung rings um die Nuss.

Die „Spechtschmiede“ wird jetzt noch genauer an die Nuss angepasst – und diese wieder leicht festgeklopft.

Dieser Vorgang wird so lange wiederholt, bis die Nuss endgültig fest eingeklemmt ist.

Die Schmiede passt, gleich kann die Nuss geöffnet werden. Ein kritischer Blick; jetzt scheint es endlich zu passen. Doch dann fühlt sich das Spechtweibchen  von einer Krähe, die auf dem Nachbar-Ast gelandet ist,  gestört, packt die Nuss und fliegt ab ….

 

Das Video zeigt,  wie es normalerweise weitergeht. Ein Spechtweibchen verzehrt eine in der Spechtschmiede geöffnete Walnuss. Und auch hier fliegen Meisen, um kleine Stückchen der Nuss zu erbeuten, die beim Bearbeiten wegfallen und zu Boden fliegen.

Soll man Vögel füttern? Winterfütterung

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Wer die Natur liebt, der ist auch bereit, einiges zu ihrem Schutz zu unternehmen. Liebe zur Natur verlangt aber Begegnungen mit der Natur. Wie soll man eine Natur lieben, die man nur vom Fernsehen her kennt?  Es gibt wenig Gelegenheiten, gezielte Begegnungen zwischen Wildtieren  und dem Menschen herbeizuführen. Die Vogelfütterung ist eine solch hervorragende Möglichkeit. Allein die emotionale Seite dieser Begegnungen rechtfertigt schon die Fütterung. So ist die Reaktion von Kindern, welche die Vögel an „ihrem Futterhäuschen“ beobachten, eindeutig.  Diese Vögel werden zu „ihren Vögeln“ und werden genau beobachtet. Das durch diese Begegnungen geweckte Interesse und die Neugier, mehr über „ihre Vögel“ zu erfahren, bilden eine erste Basis für die mögliche, spätere Naturliebe.

Es ist längst durch verschiedene wissenschaftliche Studien belegt, dass die Fütterung von Vögeln auch während des gesamten Jahres nicht nur sinnvoll sondern sogar in vielen Fällen notwendig ist. Dies liegt daran, dass es viele der benötigten Futterquellen oft nicht mehr in ausreichender Zahl gibt. Früchte tragende Hecken verschwinden, Feuchtgebiete werden trocken gelegt – und wichtige Blütenpflanzen sind oft auf kleine Restvorkommen beschränkt. Dies wirkt sich vor allem auf die Insekten-Population, aber auch auf die verfügbare Futtermenge aus. Glücklicherweise hat ein Umdenken begonnen. Mit der Anpflanzung von Zwischenfrucht-Kulturen und verschiedenen Blühmischungen entstehen auf den Feldern wieder vermehrt Nahrungsquellen für Insekten, Vögel und andere Tiere.

Wenigstens ist die Winterfütterung bei uns nicht mehr umstritten. Wichtig ist aber vor allem, dass die angebotenen Futterstellen immer mit Futter befüllt werden, denn die Vögel verlassen sich darauf, wenn sie die Futterstelle erst einmal entdeckt und angenommen haben. Auch dass die Futterstellen vor Regen und Schnee geschützt werden, ist wichtig.  Und dass eine Futterstelle auch gesäubert werden muss, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben.   Auch das Futterangebot sollte so gewählt werden, dass möglichst viele Vogelarten davon profitieren können. Die Artenvielfalt, die sich dann an solchen Futterstellen einstellt, kann beachtlich sein. Futtersilos, Meisenknödel, Sonnenblumen- und Erdnusskerne oder ganze Erdnüsse samt Schale, selbst hergestelltes Futter aus Rindertalg und Haferflocken – oder Körnersaaten für Finken: da ist vieles möglich. Wer nicht selbst Hand anlegen will – oder kann, der findet im Fachhandel genügend Angebote und eine gute Beratung. Darüber hinaus gibt es leicht zu lesende, verständlich geschriebene Fachliteratur zur Vogelfütterung  (z.B.: „Vögel füttern, aber richtig“; Prof. Dr. Peter Berthold, Gabriele Mohr, Vogelwarte Radolfzell; Kosmos Verlag)

Es muss auch kein „Landhaus“ im norddeutschen oder bayerischen Stil sein, ein selbstgezimmertes Futterhaus tut es auch. Auch hier gilt: die Funktion ist wichtiger als das Design. Wer sich das nicht zutraut oder nicht die notwendigen Werkzeuge hat, für den gibt es  im Handel ebenfalls genügend Auswahl an fertigen Futterstellen.

Im Fall des Titelbildes handelt es sich um ein selbst gebasteltes Futterhaus. Es befindet sich in einer Wochenend-Siedlung in Gochsheim, umgeben von Streuobstwiesen. Im Inneren ist eine Futterschale angebracht, die leicht entnommen, gereinigt und wieder befüllt werden kann. Was diese Futterstelle so sympatisch macht, sind die Materialien, die größtenteils Naturmaterialien aus der Streuobstwiese sind. Auf diesem Grundstück, wo sich neben dem abgebildeten Futterhaus noch weitere Futterstellen befinden,  wurden diese von den folgenden Vogelarten regelmäßig besucht: Blaumeisen, Kohlmeisen, Kleiber, Grünfinken, Feldsperlinge, Kernbeißer, Goldammern, Buntspechte, Mittelspecht, Amseln, Rotkehlchen, Buchfinken, Stare, eine Elster und sogar ein Eichelhäher. Die folgenden Bilder zeigen einen Mittelspecht im Futterhaus.

Aber auch einfallsreiche  „Ingenieurskunst“ ist im Kraichtal zu finden: bei der Sternwarte Oberöwisheim steht eine beindruckende Futterstelle, die aus meiner Sicht hervorragend ist: Wettersicher und aus Alltags-Materialien zusammengebastelt. „Hochachtung!!!“ Da hat sich jemand Gedanken gemacht, wie man Vögel richtig füttern kann! Einfach Genial!!!

Diese „wartungsarme“ Futterstelle muss auch nicht jeden Tag befüllt oder gesäubert werden. Da die Vögel von der Sitzstange aus das Futter entnehmen können, bleiben Verschmutzungen durch Kot weitestgehend aus.

Geschützt vor Wind und Regen: ein vorbildliches Futtersilo! Und es wird angenommen – und nicht nur von der Kohlmeise: Bilder von 02/17 Wer dieses Futtersilo nachbauen möchte, kann sich unter folgendem Link die Bauanleitung ansehen: www.sternwarte-kraichtal.de/vogel-futtersilo.html . Überhaupt: wer die Sternwarte in Oberöwisheim noch nicht kennt, der sollte sie unbedingt einmal besuchen:

 

Aber: einfache Meisenknödel tun es auch:

Hier ist gut zu sehen, wie Spechte ihren Schwanz als Stütze einsetzen.

Haussperlinge und Buntspecht am Meisenknödel

 

 

 

Buntspechte

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Der Buntspecht ist im Kraichtal wahrscheinlich die häufigste Spechtart. Man kann ihn fast überall antreffen. Er brütet in Wäldern, aber auch in den Bäumen der Streuobstwiesen oder in den Begleitbäumen der Wirtschaftswege, genauso wie in großen Gärten oder Parks. Im Winter taucht er auch mitten in den Ortschaften an den Futterstellen für die Singvögel auf – oder er sucht in den Rinden der Bäume nach überwinternden Insekten. Trotzdem ist er sehr wachsam und vorsichtig. Seine Nahrung besteht aus Insekten – und vor allem im Winter aus Nadelbaumsamen, aber auch Winterfutter an den Vogelhäuschen. Er legt auch „Spechtschmieden“ an, in welche er z.B. Nüsse einklemmt, die er dort öffnet. Die Bruthöhlen zimmert er selbst.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich im Gefieder. Die folgenden Bilder in diesem Beitrag zeigen ein Weibchen. Es unterscheidet sich im Gefieder vom Männchen, weil es im Nacken keinen roten Fleck hat. Der Nacken des Weibchens ist schwarz. Sonst hat das Weibchen die gleiche Befiederung wie das Männchen. Die Rufe des Buntspechts sind einzelne kurze Rufe, das Trommeln erfolgt in sehr schnellen, kurzen Wirbeln.

Die Bilder zeigen ein Weibchen, das in der Rinde einer mächtigen Esche nach Insekten sucht.  Dabei kann man auch die Stützfunktion des Schwanzes erkennen, mit der sich das Weibchen Halt verschafft.

  

Hier kann man auch gut die Befiederung des Rückens erkennen und die Farbmuster am Kopf und auf den Flügeln. Gut zu sehen sind auch die gelbliche Stirn und die schwarze Befiederung des Schnabelgrundes. Ebenso wird nochmals die Funktion der Schwanzfedern deutlich, die dem Weibchen beim Abstützen am Stamm zwei Haltepunkte bietet.

Das Buntspecht-Männchen unterscheidet sich vom Weibchen, durch seinen roten Fleck im Genick. Sonst ist das Gefieder von Männchen und Weibchen gleich.

 

Ein Buntspecht-Männchen an einem Futtersilo. Einige Haferflocken liegen noch auf Hals, Brust, Bauch und Schwanz