Er stammt aus einer Zeit, in der es bei uns im Kraichtal um fast alle Orte noch einen dichten Streuobstgürtel gab. Dort wuchsen alte Bäume, junge Bäume – und alle wurden gepflegt. Denn im Herbst konnte man von den Bäumem eine reiche Ernte erwarten. Dann kam die Zeit der Obstplantagen: Alle Bäumchen in einer Reihe, alle die gleiche Größe; schnell  und bequem zum Ernten sollten sie sein. Und die alten Bäume fielen reihenweise der Axt und der Säge zum Opfer, viele der Streuobstgürtel verschwanden völlig oder blieben nur zum Teil erhalten. Und mit den ursprünglich alten Bäumen verschwanden auch viele alte Obstsorten, die einmal die Vielfalt in den Kellern bestimmt haben. Und heute ist es weitgehend so, dass kaum jemand noch die alten Birnen- und Apfelsorten kennt.

Und nun begegnet man einem solchen Baum! Ein Birnbaum, wie es mächtiger kaum geht. Zwar werden einige seiner Äste schon abgestützt, doch wer das Blütenmeer dieses Baumes  im Frühling sieht – und schon beobachtet hat, wie viele Birnen im Herbst geerntet werden können, der kann erahnen, was alles mit den damaligen Bäumen verschwunden ist. Dieser Birnbaum ist ein Zeuge einer längst vergangenen Zeit – und er ist mein Lieblingsbaum geworden, den ich schon seit vielen Jahren immer wieder besuche und bewundere.

Gerade jetzt blüht er wieder. Die Luft ist erfüllt vom Summen und Brummen der Bienen und Hummeln, die sich an den Blüten bedienen. Wer ihn sehen will, der kann ihn in der Nähe des „Hauptflug-Geländes“ des Gleitschirmclubs Kraichtal besuchen.

Eine Pracht – einer riesigen weißen Wolke ähnlich –  steht er in der Flur.

Bleibt zu hoffen, dass sich viele Menschen noch einige Jahre an diesem alten Birnbaum erfreuen können …