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Rote Taubnessel

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Die rote Taubnessel gehört zur Familie der Lippenblütengewächse. Ein Merkmal dieser Pflanzenfamilie sind die Blüten, die von der Seite aus wie ein geöffneter Mund aussehen – mit Ober- und Unterlippe. Der Name „Taubnessel“ ist auf die Form der Blätter zurückzuführen: Alle Taubnesseln haben brennnesselähnlich aussehende Blätter, denen aber die Nesselzellen fehlen. Beim Berühren der Blätter kommt es zu keinem „Brennen“ oder „Nesseln“, die Blätter sind „taub“. Die rote Taubnessel ist normalerweise die erste blühende Pflanze aus dieser Familie im Jahr. Bis in den Oktober/November hinein kann man sie bei uns blühend vorfinden. In milden Wintern ist dies sogar über das ganze Jahr hindurch möglich.

Es gibt viele rotblühende Lippenblütengewächse bei uns. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist aber die Form der Blütenkrone. Bei der roten Taubnessel ist die Blütenkronröhre gerade und nicht gebogen. Die Pflanze ist im oberen Teil oft rötlich überlaufen. Die sehr ähnliche rotblühende „Gefleckte Taubnessel“ blüht allerdings viel später und hat gebogene Blütenkronröhren. Zudem ist die rote Taubnessel meist viel kleiner.

Es gibt aber auch weißblühende Varianten:

Typische Standorte für die rote Taubnessel sind Weinberge, Äcker, aber auch Wiesen und Weiden. Je nach Nahrungsangebot  sind sie dort sehr häufig anzutreffen. Bestäubt werden sie vor allem von Insekten. Für die Verbreitung der Samen sind auch bei dieser Pflanze die Ameisen verantwortlich. Die Samen enthalten ein süßes Anhängsel, das von Ameisen gesammelt – und zum Nest transportiert wird. Der eigentliche Samen wird dann auf dem Weg zum Nest vom Anhängsel getrennt und verstreut.

 

Wiesensalbei

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Der Wiesensalbei gehört zu der großen Pflanzenfamilie der Lippenblütler. Diesen Namen hat die Familie, weil fast alle Lippenblütler Blüten mit einer Ober- und Unterlippe haben, also von der Seite aussehen wie ein geöffneter Mund. Der Wiesensalbei blüht von Ende Mai bis Ende August oder September.  Dabei zeigt diese Pflanze eine ganz besondere Anpassung an die Bestäubung:

Aus der Blüte ragt die leicht nach unten gebogene, zweigeteilte Narbe (blau, fadenförmig) hervor. In der Oberlippe der rechten oberen Blüte sieht man die beiden Staubblätter mit den beiden Staubbeuteln hervorschauen. Die breitgefächerte Unterlippe dient als Landebahn für die anfliegenden Insekten. Das, was diese in der Blüte suchen, ist der Nektar, der sich ganz weit hinten, im Bereich der grünen Kelchblätter befindet. Nun werden die Insekten erwartet, vor allem die Hummeln.

Eine Insekt fliegt an und fährt schon den Saugapparat aus. Wenn es jetzt weiter bis zum Ende der Blütenkronröhre kriecht, streift sie an der Narbe die Pollenkörner ab, die vom letzten Blütenbesuch auf ihrem „Pelz“ hängen geblieben sind. Befinden sich Pollen des Wiesensalbeis darunter, ist die Blüte bestäubt.

Eigentlich haben die meisten Lippenblütengewächse 4 Staubblätter in jeder Blüte. Beim Wiesensalbei sind die 4 Staubblätter zu zwei Staubblätter mit Staubbeuteln am einen Ende und  mit einer Art „Klappmechanismus am anderen Ende verwachsen. Wenn nun das anfliegende Insekt mit dem Rüssel in die Blütenkronröhre vordringt, dann stößt es die beiden Staubblätter nach hinten – und diese  Staubblätter klappen wie „Bahnschranken“ nach unten und berühren mit den Staubbeuteln den Rücken des Insekts. Durch  Bewegungen werden die Pollen ausgeschüttelt und auf dem Rückenpelz verteilt.  Wenn dann die nächste Blüte besucht wird , werden dort die mitgebrachten Pollen an der nächsten Narbe abgestreift.

Hier kann man sowohl die Narbe als auch die Staubblätter auf dem Rücken der Hummel erkennen.

Weil sich der Nektar ganz weit an Grunde der Blütenkronröhre befindet, haben eigentlich nur Hummeln die Chance, an den Nektar heranzukommen. Denn bei den Honig- und vielen Wildbienen ist der Saugapparat zu kurz. Trotzdem haben diese Insekten dann einen Weg gefunden. Sie fliegen seitlich an die Blüte heran und beißen sich durch die Kelchblätter bis zur Blütenkronröhre durch. So kommen auch sie an den Nektar, ohne die Blüte bestäubt zu haben. Deswegen bezeichnete man diese Insekten als manchmal als „Honig-Diebe“.