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Vorsicht, aber keine Panik: Hornissen im Herbst

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Es ist Anfang Oktober. In den letzten Wochen kursierten Berichte über Hornissen-Angriffe in den Medien. In den Schlagzeilen war von „Überfall“ und „Jagd auf Rentner“ die Rede. Auch in der Nähe des Kraichtals gab es in Weingarten bei Karlsruhe einen Vorfall mit mehreren Betroffenen. Einige wurden sogar ernstlich verletzt. Auch dieser Fall machte bundesweit Schlagzeilen. Dabei werden Hornissen doch als sehr friedliche Insekten beschrieben, die am Menschen keinerlei Interessen haben. Stimmt das alles etwa doch nicht?

Zunächst muss man wissen, dass Hornissenvölker im September den Höhepunkt ihrer Entwicklung  erreicht haben. Zu diesem Zeitpunkt umfassen die Hornissenvölker im Nest – je nach Größe des Nestes – mehrere Hundert Tiere. Diese haben vor allem 2 Aufgaben. Sie müssen Nahrung für die Brut herbeischaffen – und sie müssen das Nest mit der Königin verteidigen. Im Verteidigungsfall geben die Hornissen Alarmstoffe ab, der die Arbeiterinnen im Nest alarmiert und der sich als Duftwolke im Nestbereich und darüber hinaus verbreitet. Dies geschieht jedes Mal, wenn sich die Hornissen bedroht fühlen, z. B. , wenn sich jemand dem Nest zu weit nähert oder sich gar daran zu schaffen macht. Sobald dieser Alarmstoff in der Luft ist, beginnt ein massiver Angriff auf alles, was sich in der Umgebung bewegt. Heftige und schnelle Abwehrbewegungen verstärken diesen Effekt noch. In einem größeren Abstand vom Nest lassen die Hornissen nach und kehren zum Nest zurück. Es muss ja Nahrung für die Königin und die Brut beschafft werden. Nun zurück zu dem Hornissenangriff in Weingarten: Die Experten sind sich einig, dass im vorliegenden Fall eine Störung vorgelegen haben muss, denn von sich aus greifen Hornissen uns Menschen nicht an.

Arbeiterinnen bewachen den Eingang ihres Nestes im Apfelbaum auf dem Gelände des Gleitschirmclubs Kraichtal bei Oberacker.

Jungköniginnen sind ausgeflogen und verpaaren sich außerhalb des Nestes mit den Drohnen, die in der Umgebung des Nestes schon auf sie gewartet haben.

Es entstehen regelrechte „Hornissen-Knäuel“, wenn mehrere Drohnen versuchen, sich mit einer Jungkönigin zu paaren. Nach der Paarung verlassen die Jungköniginnen für immer das Nest und suchen sich einen sicheren Unterschlupf für den Winter. Die alte Königin wird jetzt von den Arbeiterinnen nicht mehr gefüttert und verlässt das Nest ebenso. Kurze Zeit später wird sie sterben.

Wenn je nach Witterung im September und Anfang bis Mitte Oktober die alte Königin und die jungen Königinnen das Nest verlassen, dann verliert die ausgeklügelte Arbeitsteilung unter den Arbeiterinnen ihre Ordnung. Als Folge davon erweitert sich auch der Gefahrenbereich um das Nest. Auch laute Geräusche und heftige, hastige Bewegungen können nun von den Hornissen als Angriff auf das Nest gedeutet werden.

Aber auch im Kraichtal gab es ein „Hornissen-Problem“: Auf dem Gelände des Gleitschirmclubs in Kraichtal-Oberacker hatte ein Hornissenvolk in einem Apfelbaum ein Nest gebaut. Obwohl  das Nest in unmittelbarer Nähe des Startplatzes liegt, gab es im Verlauf des Sommers keinerlei Probleme mit den Insekten. Nun war das jährliche „Fliegerfest“ geplant. Aufgrund der Meldungen aus Weingarten verschob man das Fest, sperrte den Bereich um den Baum mit Bändern ab – und stellte Warnschilder auf, die auf die mögliche Gefahr hinwiesen. Diese Reaktion der Verantwortlichen war vorbildlich: Anstatt Panik zu verbreiten, die Verlegung des Nestes oder gar die Vernichtung des Hornissenvolkes zu fordern, reagierte man total unaufgeregt und nahm die Sache so hin, wie sie war. Gefeiert wurde in kleinem Rahmen trotzdem – in sicherer Entfernung vom Nest. Was mir aber vor allem sehr gefallen hat, war die Erklärung, mit der  die Absage des Festes der Öffentlichkeit gegenüber begründet wurde:

„Gerade unser Sport ist sehr abhängig von der Natur: es ist beispielsweise lebenswichtig das Wetter richtig einzuschätzen. Und da wir so sehr von der Natur und der Umwelt abhängig sind, müssen wir diese auch entsprechend behandeln- auch wenn es „nur“ um ein Hornissennest geht und um Wächter die ihre neue Königin beschützen wollen…“

(Auszug aus der “ Mitteilung des Vereins über die Gründe der Absage des „Fliegerfestes“ in den verschiedenen Medien).

Flug-Gelände des Gleitschirmclubs Kraichtal. Die Absperrbänder sind inzwischen entfernt. Im Apfelbaum (in der Mitte) hat  zur Straßenseite hin ein Hornissenvolk ein Nest gebaut.

Auch der Hinweis: „Vorsicht Hornissen“   verstärkt die Haltung  des Vereins.  Das Schild sagt aus, dass es hier Hornissen gibt – und dass man in diesem Bereich vorsichtig sein- und sich an Spielregeln halten muss. Stünde auf dem Schild „ACHTUNG HORNISSEN!“, hieße das nämlich, dass es hier  – was überhaupt nicht zutrifft – grundsätzlich gefährlich ist. Ich finde die Art und Weise, wie der  Verein mit dieser schwierigen Situation (vor dem Hintergrund der Vorfälle in Weingarten) umgegangen ist, ganz toll! Hier hat man verstanden, dass es im Umgang mit der Natur vor allem darum geht, das, was in der Natur geschieht zu respektieren – und dass auch die Hornissen ein Recht auf den vom Menschen beanspruchten Lebensraum haben, den man teilen kann! Gerade, weil der Verein sicherlich wegen der Absage finanzielle Einbußen hatte, ist eine solch unaufgeregte Reaktion vorbildlich! Dass es aber auch Fälle geben kann, wo die Umsiedlung eines Hornissennestes notwendig wird, bleibt unbestritten.

Gerade über Hornissen und ihre Gefahr für den Menschen existieren immer noch viele Mythen. Deswegen kommt bei vielen Menschen Panik auf, wenn sie diesen – eigentlich so friedlichen – Insekten begegnen. Panik ist sicher nicht angebracht, aber Vorsicht und Respekt Tieren gegenüber, die  im Nahrungskreislauf  ihres Lebensraumes eine – auch für uns Menschen so wichtige – und deshalb auch schutzwürdige – Rolle spielen.

(*Hinweis: Für die Veröffentlichung von Teilen der Erklärung des Vereins in diesem BLOG  erhielt ich die persönliche Genehmigung.)

Wie Thomas Bratzel die Natur im Kraichtal sieht und darstellt

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Und hier wieder einmal ein künstlerischer Beitrag über Tiere, die man hier bei uns noch beobachten kann. Gezeichnet wurden diese tollen Bilder  – wie die anderen Grafiken in meinem BLOG auch  – von Thomas Bratzel. Warum ich diese Grafiken veröffentliche? Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens, weil ich sie für schön finde – und zum zweiten, weil man in einer Grafik alle wichtigen Merkmale besonders deutlich herausstellen kann, wie dies bei einem Foto nicht immer möglich ist. Und zudem ist es mir zum Beispiel kaum möglich, Fotos von einem Hecht in seiner natürlichen Umgebung zu machen. Denn ein solches Foto werde ich wahrscheinlich nie liefern können. Dafür fehlen mir einfach die technischen Voraussetzungen, die man für solche Unterwasserbilder braucht. Und ob ich Lust hätte, mich in den Tonbergsee bei Gochsheim zu stürzen – um vielleicht nach etlichen  vergeblichen Tauchgängen einmal einen Hecht fotografieren zu können- diese Frage brauche ich mir erst gar nicht zu stellen. Und ein Foto braucht man sowieso nicht, wenn man einen solch begabten Künstler als Bildquelle hat.

Tipp: Wenn Sie im BLOG auf  die Suche nach den Grafiken und Beiträgen von Thomas Bratzel gehen, dann müssen Sie nur den Begriff „Grafik“ oder „Thomas Bratzel“ eingeben; dann werden alle Grafiken und Infos zu diesen Kategorien aufgelistet.

 Thomas Bratzel: „Braunkehlchen“ vom 11.03.04

Thomas Bratzel: „Gartenrotschwanz“ vom 14.09.99

Thomas Bratzel: „Mauersegler“ vom 14.09.99

*Die Veröffentlichung der Bilder von Thomas Bratzel in diesem BLOG erfolgt im Einvernehmen mit dem Künstler. Auch für die Verwendung dieser Bilder gelten die Bestimmungen des Urheberrechts (Weitere Infos unter Datenschutz und Impressum).

Einem Hobbykünstler über die Schulter geschaut

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Thomas Bratzel. Ein – meiner Meinung nach – hochbegabter Hobbykünstler, der sich mit verschiedenen Techniken den Natur-Portraits verschrieben hat. Dass er ein Naturfreund ist und einen genauen Blick für die Details hat, zeigt sich in beeindruckender Weise in seinen Bildern. Darüber hinaus hat er eine große Sachkenntnis, die das Ergebnis jahrzehntelanger intensiver Naturbeobachtung ist. Schon während seiner Kindheit beschäftigte er sich mit der Beobachtung von Tieren und Erforschung seiner Umgebung. Über die phantastische Detailtreue braucht man eigentlich kein Wort verlieren, wenn man seine Bilder sieht.

Dass er ein Pferdefreund und Pferdekenner ist, sieht man in seiner Wohnung, wo sich zahlreiche Pferde-Darstellungen entdecken lassen. Hier arbeitet er gerade an einem Pferde-Portait. Das Bild wird ein Pferd der Rasse  „Achal Tekkiner“ zeigen. Eine Pferderasse, die es ihm angetan hat. Er ist selbst Besitzer einer Achal-Teke-Stute, mit der er oft im Kraichtal unterwegs ist. 

Das Bild ist noch lange nicht fertig. Ich bin schon gespannt, wie es aussehen wird. Gerade ist Thomas bei der Ausgestaltung des Randes mit Buntstiften. Das fertige Bild soll mehrere Techniken enthalten. Jedenfalls lässt sich nur erahnen, wie viel Zeit, Ausdauer und Fleiß in seinen Bildern steckt.

Die Pferderasse „Achal Tekkiner“ oder das „Achal-Teke-Pferd“ zählt zu den ältesten Pferderassen und stammt aus Zentralasien. Seit mehr als 3000 Jahren kennt man diese Pferderasse. Diese Pferde sind sehr robust und ausdauernd und an extreme Klimabedingungen (z.B.Wüsten oder Trockensteppen) angepasst. Mit den sehr genügsamen Pferden konnte man lange Strecken zurücklegen. Es waren Kriegspferde. Heute finden  Achal-Teke-Pferde als schnelle Rennpferde und Pferde für Distanzrennen Verwendung. Bei dem dargestellten Pferd mit seinem auffälligen Zaumzeug und den Schmuckriemen fühlt man sich in Zeiten zurückversetzt, wo Könige, Feldherren oder Fürsten ihr erfolgreiches Pferd geschmückt haben. In mir weckt es die Erinnerung an historische Romane aus dem Bereich der Assyrer und Perser.

Thomas Bratzel wird sicher noch eine ganze Weile mit diesem Bild beschäftigt sein. Jedenfalls wird auch dieses Pferde-Portrait zu einem weitereren Beleg für seine außergewöhnliche Begabung werden. Dessen bin ich mir jetzt schon sicher.

Übrigens: So sieht es aus, wenn Thomas mit seiner Achal-Teke-Stute im Kraichtal unterwegs ist. …. Die Stute heißt übrigens „Hayat“.

Unter der Kategorie „Grafik“ finden sich alle bisher im BLOG enthaltenen Beiträge über Thomas Bratzel.

Der Tisch ist reich gedeckt in diesem Jahr: Obstgarten Kraichtal

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Man findet sie hier noch; ja sie sind typisch für das Kraichtal: die Streuobstwiesen rund um die Dörfer. Zwar sind große Teile in den Fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zugunsten von Obstplantagen verschwunden, doch gibt es sie zum Glück noch im Kraichtal. Denn sie erfüllen wichtige ökologische Funktionen als Lebensraum für zahllose Tiere, darunter auch vom Aussterben bedrohte Tierarten. Solche Obstanlagen umgaben die meisten Orte im Kraichtal. Die geernteten Früchte waren einen wichtiger Beitrag zur winterlichen Versorgung mit Obst und dem „Haustrunk“, dem Most.

Hier ein Teil einer Streuobstwiese im Frühsommer, wie man sie bei uns im Kraichtal noch häufig finden kann. Alte und junge Bäume in den verschiedensten Wuchsformen finden sich hier. Apfel- und Birnbäume, Kirschen und Zwetschgen, aber auch zahlreiche Walnussbäume, Quitten und Mirabellenbäume sind in einer solchen Streuobstwiese zu entdecken. Und man muss schon überdurchschnittliche Kenntnisse haben, wenn man die zahlreichen Sorten bestimmen und unterscheiden will. Denn im Gegensatz zum Supermarkt finden sich hier vor allem robuste Obstsorten, bei denen es keine Chemie braucht.  Manchmal findet sich auch ein Wurm in den Äpfeln, Birnen oder Kirschen. Dann schneidet man eben die befallenen Teile heraus und verarbeitet sie zu Kompott, Saft, Brei oder Marmelade und Gelee. Dafür wird aber eine breite Palette an Geschmack und Verwendungsmöglichkeit der verschiedenen Obstsorten geboten, wie man sie im Supermarkt sicher nicht in dieser Vielfalt geboten bekommt. Die folgenden Bilder zeigen einen kleinen Ausschnitt aus dem Kraichtaler „Freiluft-Obst-Angebot“, das Ende Mai mit den ersten Kirschen beginnt – und im Oktober mit den Quitten und Walnüssen endet.

Mit den Kirschen fängt es im Frühsommer an:… und auch hier gibt es zahlreiche SortenDann kommen ab Mitte Juli die ersten frühen Apfelsorten:Ab August fächert sich die „Apfel-Palette“ immer weiter auf.

der legendäre „Lederapfel“ der sich gut lagern lässt und bis weit ins nächste Jahr hinein tolle Obstkuchen liefert ….Ab Ende August bis Ende September erscheinen dann die Zwetschgen auf der BühneKuchen, Marmelade, Hochprozentiges …. oder einfach so essen!

Jetzt sind auch die Mirabellen mit ihren zahlreichen Sorten und die Pfirsiche reif. Allerdings findet man sie seltener in Streuobstwiesen sondern in Weinbergen und anderen warmen Standorten in kleinen Gruppen oder als Einzelbäume.

Auch bei den Mirabellen gibt es zahlreiche Sorten, die sich durch ihre Form, ihre Färbung und ihren Geschmack unterscheiden. Im Kraichtal werden sie oft zu „Hochprozentigem“ verarbeitet. Die gelben Sorten finden aber auch Verwendung als Kompott.

Auch Pfirsiche sind im Kraichtal als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen an warmen Standorten zu finden.September/Oktober: Jetzt sind die Quitten und Walnüsse an der Reihe – und auch die zahlreichen Birnensorten bereichern das Obstangebot.„Birnen-Quitte“Und die „Apfel-Quitte“Schmackhafte Birnen mit verschiedensten Aromen hängen an den Bäumen. Wie bei den anderen Obstsorten gibt es auch bei den Birnen zahllose Arten.Tafelbirnen und Mostbirnen unterscheiden sich deutlich. Die Tafelbirnen sind Züchtungen aus den wilden Birnensorten. Sie sind groß und deutlich „birnenförmig“. Es gibt – wie bei den Äpfeln –  mehrere Hunder Arten davon. Sie unterscheiden sich durch den Zeitpunkt der Reife, die Farbe, den Geschmack und die Lagerfähigkeit. Tafel- oder Speisebirnen gehören zu den Edelbirnen. In Streuobstwiesen spielen die Edelbirnen nur eine sehr untergeordete Rolle. Meist findet man sie als Einzelbäume oder in kleinen Gruppen an warmen Standorten.Die zahlreichen Mostbirnen sind meist viel kleiner und sehen oft wie kleine Kugeln in Walnussgröße aus. Sie wurden früher dem regionalen Haustrunk, dem „Most“ beigemischt und verliehen ihm die typisch gelbe Farbe. Außerdem enthalten die Früchte viel Gerbstoffe, welche sie für den direkten Verzehr nicht geeignet machen. Mostbirnen sind im Gegensatz zu den Edelbirnen typische Vertreter der Streuobstwiesen.

Walnussbäume sind typisch für den Kraichgau. Oft sind es imposante Bäume mit oft mehr als 20 m Wuchshöhe und weit ausladenden Kronen.Allerdings wird die Ernte durch die Nussbaum-Fruchtfliege beeinträchtigt. Die Larven der Fliege zerstören die äußere Fruchthülle. Diese wird dann schwarz; bei Regenwetter ist sie schmierig-schleimig. Glücklicherweise schadet dies aber der eigentlichen Nuss im Inneren der Schale nicht. Das Ablösen der schwarzen Fruchthülle ist manchmal sehr mühsam.

Die schwarze Fruchthülle lässt sich – wenn auch manchmal sehr mühsam – entfernen; die Qualität der Nüsse leidet nicht darunter – und man kann sie ohne Bedenken essen. Allerdings sollte man sie vor dem endgültigen Einlagern gut trocknen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Braunkehlchen rüsten sich zum Flug

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Blaukehlchen gehören innerhalb der Sperlingsvögel zu den Drosseln. Glücklicherweise sind sie bei uns im Kraichtal noch vertreten.  Anfang bis Mitte April kehren die Braunkehlchen aus ihrem Winterquartier in Afrika zurück.Auch in diesem Jahr haben wieder einige Paare bei uns gebrütet. Braunkehlchen brauchen offene Flächen mit einer gut strukturierten Krautschicht, wie man sie immer wieder in den Streuobstwiesen finden kann. Wiesen und Gräben, Brachflächen, aber auch kleine Feuchtwiesen sind weitere typische Lebensräume des Braunkehlchens.    Da sie Bodenbrüter sind, ihr Nest also auf dem Boden anlegen, können sie nur dort erfolgreich brüten, wo kaum gemäht wird. Intensiv genutztes Grünland mit mehreren Schnitten pro Jahr fällt also für die Brut der Vögel weg.

Zudem brauchen sie für die Jagd Ansitzflächen wie Pfähle, Zäune, einzeln stehende Bäume (Streuobstwiesen) oder vertrocknete Pflanzenstängel, wie sie auf den Zwischenfrucht-Feldern oder Blühstreifen üblich sind. So bieten also auch diese Flächen einen Lebensraum für die Braunkehlchen.

Ende April bis Anfang Juli brüten die Braunkehlchen. Das Weibchen legt bis zu 6 Eier. Das Nest ist unter Grasbüscheln oder unter Büschen versteckt. Je nach Witterung und Nahrungsangebot kann es zu einer zweiten Brut kommen; auch Ersatz-Bruten sind möglich.  Beide Bilder zeigen einen Jungvogel. Man kann dies an den weißen Federspitzen erkennen. Auch der Überaugenstreif ist noch recht blass.

Das Braunkehlchen ernährt sich vor allem von Insekten, Würmern, Spinnen und Schnecken. Im Sommer kommen dann noch Beeren dazu.

Die Aufnahmen entstanden bei einer großen Pferdekoppel, wo mehrere Jung- und Altvögel nach Nahrung suchten.  Das gespannte Seil oder die vertrockneten Stängel eines Doldenblütengewächses bieten ideale Ansitzpunkte. Offenbar sammeln sie sich für ihren Zug zu den Überwinterungsgebieten in Afrika.

Kennzeichen des Braunkehlchens sind der deutliche Überaugenstreif und die helle Unterseite. Weibchen sind heller gefärbt als die Männchen.

Ein weiteres Kennzeichen ist der kurze Schwanz, mit dem das Braunkehlchen ständig wippt.

Anfang September brechen die Braunkehlchen dann zu ihren Überwinterungsgebieten in Afrika auf.

Bleibt zu hoffen, dass sie im nächsten April wieder zu uns ins Kraichtal kommen werden. Das Braunkehlchen ist bei uns stark gefährdet und steht auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Grünes Heupferd

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Das Grüne Heupferd gehört zur Familie der Laubheuschrecken und ist eine der größten Laubheuschrecken in Mitteleuropa. Fast alle sind grün; es gibt aber einige wenige Exemplare mit einer Farbaweichung, zum Beispiel gelbe Beine. Bei uns im Kraichtal findet man das Grüne Heupferd auf Trockenrasen, in der Nähe von Hecken oder sonnigen Waldrändern. Man kann sie also überall dort finden, wo es warm und relativ windgeschützt ist.

Die Weibchen sind ungefähr 40 mm groß – und damit etwas größer als die Männchen. Auf dem Rücken sind sie braun gefärbt. Die Weibchen besitzen eine Legeröhre, mit der sie die 500-600 Eier im Boden ablegen können. Die Entwicklungszeit der Larven ist sehr unterschiedlich und es kann 1,5 Jahre bis 5 Jahre dauern, bis die Tiere voll entwickelt sind.

Bis die Heuschrecken voll entwickelt – und damit geschlechtsreif sind, machen sie  7 Häutungen durch. Erst dann erscheinen die flugfähigen Flügelpaare. Dabei überdecken die Vorderflügel die Hinterflügel.

Das Grüne Heupferd ernährt sich vor allem räuberisch von anderen Insekten und deren Larven, aber auch von einer Vielzahl von krautigen Pflanzen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Heuschrecken-Arten kann das Grüne Heupferd sehr gut fliegen.

In Deutschland ist der Bestand des Grünen Heupferdes nicht gefährdet. Obwohl man es oft übersieht, kommt es bei uns im Kraichtal vereinzelt, aber dann noch relativ häufig vor.

Brennnesseln, Disteln & Co

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Es ist Ende August. Die Felder sind abgeerntet, die Wiesen alle gemäht. Doch es gibt noch „grüne Inseln“ in der Flur. Entlang eines Weges hat man nicht gemäht und alles so stehen lassen, wie es gewachsen ist. Brennnesseln, Disteln, verschiedene Gräser, Doldengewächse und einige andere Pflanzen bilden einen dichten Bestand. Und man kann erkennen, dass es in diesem Jahr sehr heiß und trocken war. Selbst die Brennnesseln sehen nicht mehr ganz so frisch aus. Das saftige Grün der Pflanzen ist verschwunden; eigentlich erinnert der Wegrand jetzt an ein verwildertes Gelände. Wer aber glaubt, dass hier dringend gemäht werden müsste, für den lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen:

Brennnesseln und Disteln stehen bei vielen Menschen auf der „Abschussliste“. Doch sie sind für viele Tiere sehr wichtig. Für viele Vogelarten, die sich von Sämereien oder Körnern ernähren,  ist der Tisch nach der Getreideernte nicht mehr so reichhaltig gedeckt. Die Nahrung wird knapp. Jetzt sieht man zum Beispiel Distelfinken, die das tun, wofür sie ihren Namen erhalten haben. Sie ernähren sich von Distelsamen.

Dazu pflücken sie die Korbblüten regelrecht auseinander und ziehen die Samen heraus.

Und am Ende sind die Blütenstände der Distel völlig aufgefasert 

Dies gilt auch für andere Vogelarten oder zahlreiche Insekten

So kann man häufig den Schwalbenschwanz, einen auch bei uns recht seltenen Schmetterling auf den Disteln beobachten, weil sie auch jetzt noch Nektar anbieten

Dieser Schwalbenschwanz hat schon einen Teil des linken Hinterflügels verloren.  Trotzdem kann er noch problemlos die Blüten anfliegen.

Die große Zahl von Vögeln und Insekten, welche sich von den verschiedenen Disteln, aber auch von den Brennnesseln ernähren,  ist gewaltig.  Deswegen sollte man sie, so lange wie dies möglich ist, auch stehen lassen. Auch wenn uns ihr Anblick manchmal stört – für viele Tiere sind diese Pflanzen zum Überleben notwendig.

Garten-Kreuzspinne

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Von der Kreuzspinne gibt es zahlreiche Arten. Die Garten-Kreuzspinne ist die häufigste Kreuzspinne bei uns. Die Kreuzspinnen sind in ihrer Färbung sehr variabel und können sich der Helligkeit der Umgebung anpassen. Den Namen haben sie von den hellen Flecken auf dem Hinterleib, die ein kreuzartiges Muster bilden. Die  länglichen Streifen entsprechen den Längs- und Querbalken des „Kreuzes“. In der Mitte des Kreuzes befindet sich ein kreisrunder, heller Fleck.  Wie bei vielen Spinnenarten werden die Weibchen sehr viel größer als die Männchen.

Kreuzspinnen sind „Radnetz-Spinnen“. Sie ernähren sich von allen Insekten, die sie mit ihrem Radnetz fangen können. Fliegen, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Wespen und sogar Hornissen sind mögliche Beutetiere. Manchmal werden sie aber selbst Beute von Vögeln, aber auch von Insekten wie Hornissen.

Die Gartenkreuzspinne sitzt oft in der Mitte oder am Rand ihres Radnetzes. Dabei bekommt sie jede Erschütterung mit. Hat sich eine Beute verfangen, dann eilt die Spinne herbei und begutachtet die Situation. Je nach Art der Beute spinnt sie dann ein spezielles Band, mit dem sie das Beutetier schnell „einpacken“ kann. Hier hat die Kreuzspinne eine Fliege gefangen. Mit dem Biss gibt sie ein Sekret ab, welches das Beutetier von innen auflöst. Dann dreht sie das Beutetier schnell um die eigene Achse und spinnt es mit einem breiten gesponnenen Band ein. Wenn die Spinne hungrig ist, beginnt sie, die Beute aufzusaugen. Ansonsten transportiert sie die Beute in eine Ecke des Netzes oder hängt sie am Rand – gewissermaßen als Nahrungsvorrat – auf.

Nachdem die Fliege eingesponnen ist, wird sie abtransportiert und in Sicherheit gebracht. Dabei hält sich die Spinne an die Fäden des Netzes.   Auch die Fliege ist an einem „seidenen Faden“ befestigt.Die Kreuzspinne transportiert ihre Beute vom zentralen Netzbereich weg und bringt sie unter ein großes Blatt. Auch hier sind die Haltefäden deutlich sichtbar. Die Fliege wird nun mit einem der hinteren Beine festgehalten, während die Spinne jetzt den engen Raum zwischen den beiden Blättern aufsucht.  Deutlich ist die Musterung des Unterleibs der Spinne mit den Spinndrüsen zu sehen. Die Fliege wird nun durch einen zusätzlichen Haltefaden fixiert.

Im Versteck unter den Blättern angekommen, wird die Beute nun ausgesaugt.Obwohl viele Menschen Ängste entwickeln, wenn sie Spinnen begegnen, haben sie eine sehr große Bedeutung für uns. So sind sie eine natürliche biologische Schädlingsbekämpfung, weil sie viele Schadinsekten vertilgen. Auch in der Medizin zeigen sich einige Verwendungs-Ansätze zur Wundversorgung mit den Spinnfäden.

 

Brauner Bär

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Bei uns im Kraichtal ist er nur selten zu sehen: der Braune Bär, ein Schmetterling aus der Familie der Bärenspinner. Das liegt aber nicht nur daran, dass es ihn bei uns kaum noch gibt – sondern weil er ein Nachtschmetterling ist, der sich tagsüber gut getarnt versteckt. Tatsächlich aber ist der Braune Bär sehr selten und durch das Naturschutzgesetz streng geschützt. Auch in Baden-Württemberg insgesamt gilt er als eine vom Aussterben stark bedrohte Art. In diesem Falle wurde er in einem Industriebetrieb gefunden, wo er sich in Bodennähe verkrochen hatte. Dorthin hatte er sich offenbar verflogen,  weil er – wie dies viele Nachtfalter tun – nächtliche Lichtquellen anfliegt  (In diesem Betrieb wird rund um die Uhr gearbeitet).  Da er dort wohl keine Überlebenschance hatte, kam er in einen Karton.

Schon allein die Flügelzeichnung zeigt seine Verwandtschaft mit dem „Russischen Bären“ und dem „Schönbären“. Dabei kann die Zeichnung der Vorderflügel innerhalb dieser Art stark variieren. Die braunen Vorderflügel zeigen meist ein weißes, netzartiges Muster, das vom Flügelrand ausgeht. Dazu kommen noch längliche Flecken am Flügelrand. Die Vorderflügel können auch fast ganz weiß sein.

Der Braune Bär sitzt mit „dachartig“ geschlossenen Flügeln in seinem Versteck. Dies ist seine „Tarnstellung“. Wenn er sich bedroht fühlt, öffnet er schlagartig seine Flügel. Dann werden die orangeroten Hinterflügel mit den blauen, meist schwarz umrandeten Punkten sichtbar. Damit warnt und erschreckt er viele Fressfeinde. Der Braune Bär kommt in allen Bereichen des Waldes vor, aber auch in extensiv bewirtschafteten Wiesen mit Hecken und Büschen. Sogar in Parks und großen naturnahen Gärten, aber auch an Wegen, Böschungen und Straßenrändern kann man ihn vereinzelt finden.

Aus dem Karton wurde er nun in ein geeignetes Biotop innerhalb eines Waldes im Kraichtal gebracht. Sofort zeigte seine „Schreckstellung“. Dazu klappte er in schneller Folge die Vorderflügel auf und zu. Die orangeroten, blau und schwarz gepunkteten Hinterflügel werden dabei sichtbar.

Deutlich ist das weiße Netzmuster an den Vorderflügeln zu sehen. Der abgebildete Schmetterling zeigt, dass er schon leicht „abgeflogen“ ist. Ein Fühler fehlt und auch die Flügel zeigen erste Abnutzungs-Spuren.

Die Falter des Braunen Bären fliegen von Juli bis September. Schon ab Juli werden die Eier an die Unterseite der Blätter der entsprechenden Futterpflanzen gelegt  (Brennnessel, Mädesüß, Brombeere, Himbeere und viele mehr). Die Raupen schlüpfen im August und überwintern an geschützten Stellen im Boden. Im Juni/Juli des folgenden Jahres verpuppen sie sich und schlüpfen von Juli bis August. Übrigens: Was er normalerweise macht, ist auch hier geschehen. Nachdem er mehrfach die Flügel auf- und zugeklappt hat, flog er auf und suchte sich einen neuen und sicheren Unterschlupf.

Achtung! Verbrennungsgefahr! Riesen-Bärenklau

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Der Riesen-Bärenklau gehört zur Familie der Doldenblütengewächse und kann über 3 m hoch werden. -Er ist im Kraichtal recht selten anzutreffen. Ursprünglich stammt die Pflanze aus dem Kaukasus und ist in Europa und Amerika zu einer invasiven Art geworden. 2006 wurde er zur  „Giftpflanze des Jahres“ ernannt, weil der Kontakt mit ihm zu schweren, verbrennungsähnlichen Verletzungen und anderen gesundheitlichen Schäden führen kann. In Europa wurde er eingeführt, weil ihm nachgesagt wurde, ein hervorragender Pollen- und Nektarlieferant für Honigbienen zu sein. Dies trifft allerdings – wie neuere Forschungen gezeigt haben – nicht zu. Auch die Hoffnung, dass man mit dieser Art Böschungen oder Gefällstrecken befestigen könnte, hat sich nicht bewahrheitet.

Die Blätter – hier ein Bild vom Mai – können mit dem Blattstiel zusammen eine Länge von 3 Metern erreichen.

Im Juni sind die Blätter schon ziemlich groß geworden. So kann die Pflanze dichte Bestände bilden und den Boden beschatten, dass keine anderen Pflanzen mehr wachsen können.

Die Pflanze enthält mehrere Substanzen, die im Zusammenhang mit Tageslicht zu schweren Verletzungen der Haut führen können. Deswegen sollte man im Umgang mit der Pflanze unbedingt Schutzkleidung – auch im Bereich des Gesichtes – tragen.

  Der Stängel hat „Besenstiel-Format“,  besitzt violette Flecken und Stacheln.  An der Basis kann er einen Durchmesser bis zu 10 cm haben.

Die Blütenknospe öffnet sich. Deutlich sind auch die großen Blattscheiden zu erkennen.

  

Im Umgang mit dem Riesen-Bärenklau sollte darauf geachtet werden, dass dies an einem eher trüben Tag geschieht. Bei intensiven Kontakten ist es auch möglich, dass die Giftstoffe die Schutzkleidung durchdringen. Die Folgen sind erheblich. Es kann zu einer blasenbildenden Dermatitis kommen, die Verbrennungen ersten bis zweiten Grades hervorrufen kann. Die Heilung ist schmerzhaft und meist sehr langwierig. Spuren dieser Verletzungen sind oft auch noch Jahre später sichtbar. Auf jeden Fall sollte man nach der Arbeit Kontakt mit Sonnenlicht oder starkem Kunstlicht vermeiden. Arbeitsgeräte sollten gründlich mit Spiritus gereinigt werden. Verwendete Gummi-Handschuhe sollte man nach dem Kontakt mit der Pflanze umstülpen und nicht mehr verwenden. Beim Arbeiten mit der Motorsense, dem Rasentrimmer oder beim Abhacken muss man daran denken, dass durch den – die Schutzkleidung durchdringenden – Pflanzensaft ebenfalls die angesprochenen Hautreaktionen ausgelöst werden können. Auch Einmal-Handschuhe bieten nur eingeschränkte Sicherheit. Innerhalb einer Stunde können die Giftstoffe die dünnen Handschuhe durchdringen. An heißen Tagen besteht die Gefahr, dass die giftigen Stoffe „ausgasen“  können. Der Aufenthalt in der Umgebung der Pflanze kann an solchen Tagen zu einer langwierigen, bis zu 3 Wochen andauernden aktuten Bronchitis führen. Weitere mögliche Folgen sind Fieber, Schweißausbrüche oder Kreislaufschocks. Beim Erscheinen von Haut- oder anderen Reaktionen nach dem Kontakt mit der Pflanze sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.